Berenberg-Studie Wie Anleger aussichtsreich in Kryptowährungen investieren können

Währungskurse einer Krypto-Börse, angezeigt auf einem Smartphone. Analysten der Berenberg Bank geben Tipps, wie Anleger iherer Meinung nach am besten am Krypto-Boom teilhaben können. | © Getty Images

Währungskurse einer Krypto-Börse, angezeigt auf einem Smartphone. Analysten der Berenberg Bank geben Tipps, wie Anleger iherer Meinung nach am besten am Krypto-Boom teilhaben können. Foto: Getty Images

Kryptowährungen haben eine Achillesverse, sagen Analyse-Experten der Berenberg Bank in einer hauseigenen Studie. Die Schwachstelle liege bei den äußerst energieintensiven Prozessen, die nötig sind, um neue Währungseinheiten zu erzeugen. Das heute gängige Krypto-Mining-Verfahren, das auch bei Bitcoin angewendet wird, wird „Proof-of-Work-Mining“-Verfahren (PoW) genannt. Dieses Verfahren verschlingt gigantische Mengen an Energie. Per PoW-Mining neue Bitcoin zu erzeugen, verbraucht jährlich so viel Energie, wie ganz Irland in einem Jahr benötigt, haben die Berenberg-Analysten errechnet.

Nimmt man die Währungen Bitcoin und Ethereum zusammen, so haben Mining-Prozesse einen Energiebedarf, der dem jährlichen Bedarf Griechenlands gleicht.

Nacxh Abzug der Kosten für technische Prozesse bleibt beim Mining rund ein Viertel als echter Gewinn übrig, vermuten die Berenberg-Experten: Von 6 Milliarden US-Dollar Brutto-Gewinn gehen laut Berenberg-Schätzung allein 1,1 Milliarde Dollar für Strom und 3,2 Milliarden Dollar für die zum Mining benötigte Hardware drauf.

In Prozent ausgedrückt sieht das so aus:

Bislang haben Bitcoin und Co. einen verschwindend geringen Anteil an der weltweit verfügbaren Geldmenge M2. Wenn sich dieser Anteil auf 5 Prozent erhöhen würde, wäre bereits ein Zehntel des jährlichen Energieverbrauchs Chinas nötig, um neue Krypto-Währungseinheiten zu erschaffen, heißt es in der Studie.

Das Skalierungsproblem von Kryptowährungen ist bekannt, und es gibt unterschiedliche Ansätze, es in den Griff zu bekommen. Die Berenberg-Experten stellen sie vor:

  • Bei Bitcoin könne versucht werden, die Blöcke innerhalb der Blockchain zu vergrößern. So wären zumindest schnellere Transaktionen möglich.
  • Anstelle des sehr energieintensiven PoW-Minings werde derzeit auch mit einer anderen Mining-Methode experimentiert, dem sogenannten „Proof-of-state“-Mining (PoS). Dieses berge allerdings das Risiko, dass sich die dezentralen Prozesse – der anerkannte Vorteil der Blockchain-Technologie – wieder zu mehr zentralisierten Prozessen wandeln könnte, geben die Spezialisten zu bedenken.
  • Den dritten Ansatz bezeichnen die Autoren als „Payment-channels“: Für einzelne Transaktionen könnten die Gegenparteien jeweils einen speziellen Kanal eröffnen. Technisch gesehen dockt dieser an die Blockchain an. Das Öffnen und Schließen des Kanals wird auf der Blockchain vermerkt. Die Transaktion, die über den Kanal läuft, findet allerdings außerhalb der Blockchain statt.

Der Vorteil des letztgenannten Ansatzes: Wenn nicht jede Mikro-Transaktion auf der Blockchain verzeichnet wird, spart das eine Menge Energie. Laut den Berenberg-Experten testen sowohl Bitcoin als auch Ethereum momentan derartige Projekte – bei Bitcoin läuft das unter dem Namen Lightning Network, bei Ethereum als Raiden Networks. Diesen dritten Ansatz favorisieren die Autoren der Studie am meisten.

Was bedeutet das für Anleger?

Die Anylsten der Berenberg Bank geben auch konkrete Tipps, wie Anleger vorgehen könnten, die am Kryptowährungs-Boom teilhaben möchten. Eine naheliegende und offenbar verbreitete Idee finden sie allerdings nicht zielführend: Auf Energie-Aktien zu setzen und gleichzeitig gegen Payment-Anbieter wie Mastercard oder Visa zu wetten. Denn der Energieverbrauch durch Mining könne auf Dauer nicht so weiterwachsen wie in der Vergangenheit. Außerdem seien Kryptowährungen technisch noch nicht so ausgereift, dass sie den Payment-Anbietern heute das Wasser abgraben könnten.

Für sinnvoller erachten sie ein Investment in Software- und IT-Service-Anbieter wie etwa Accenture, Cognizant oder Capgemini.

In die heutigen Anbieter von Hardware zu investieren, die Mining ermöglichen, mache höchstens kurzfristig Sinn: Wegen der hohen Energiekosten werde sich diese Form des Minings langfristig nicht durchsetzen, glauben die Experten. Anleger mit Risikoappetit könnten in den japanischen Finanzdienstleister SBI Group oder den US-Anbieter Overstock investieren, die Risikokapital-Portfolios mit Blockchain-Bezug anböten.  Berenberg selbst halte sich hier allerdings zurück.

Ausdrücklich raten die Berenberg-Profis von einem Investment in kleinere Unternehmen ab, die sich im Zuge des Trends der vergangenen Monate dem Thema Blockchain zugewendet haben: Viele von ihnen erinnern die Analysten verdächtig an jene unbeständigen Unternehmen, die während der Internet-Blase um die Jahrtausendwende wie Pilze aus dem Boden sprossen, geben die Analysten zu bedenken.