Berlin als Brexit-Profiteur? Zweite deutsche Stadt buhlt um Londoner Finanz-Jobs

Das Brandenburger Tor während eines Lichterfestivals. Auch Berlin ist bei einem Wegzug von Finanzinstituten aus Londen ein möglicher Alternativstandort  | © Getty Images

Das Brandenburger Tor während eines Lichterfestivals. Auch Berlin ist bei einem Wegzug von Finanzinstituten aus Londen ein möglicher Alternativstandort Foto: Getty Images

Der Brexit ist gemachte Sache und er wird aller Voraussicht nach ein harter Einschnitt sein. Großbritannien will sich vom gemeinsamen europäischen Binnenmarkt verabschieden. Unter diesen Vorzeichen mag auch die Finanzbranche nicht still der Dinge harren, die da kommen mögen. Schon seit einigen Monaten ist bekannt: Viele Akteure sind auf der Suche nach Ausweichstandorten. Medienberichten zufolge bauen HSBC und die Schweizer Großbank UBS bereits Stellen in der britischen Hauptstadt ab. Auch bei Goldman Sachs sind entsprechende Pläne im Gespräch.

Kundschafter der Finanzkonzerne sind derzeit in Europa unterwegs und sehen sich mögliche Alternativstandorte zu London an. Eine von vielen Beobachtern favorisierte Alternative ist Frankfurt – gilt Deutschland doch momentan als Herz der Europäischen Union. Und auch die Europäische Zentralbank hat hier ihren Sitz. Bereits eine höhere zweistellige Zahl von Finanzinstituten habe auf der Suche nach Alternativplätzen in Frankfurt angefragt, schreibt die Welt und beruft sich auf Informationen aus deutschen Aufsichtsratskreisen.

Allerdings hat Frankfurt einen Nachteil: Die Stadt gilt als langweilig. Werden sich die Mitarbeiter großer Finanzkonzerne nach London dann einfach an die hessische Betulichkeit gewöhnen?

Tiemo Kracht, Sprecher der Geschäftsführung bei Kienbaum, hat eine andere These: Londoner Banker fänden Deutschland zwar durchaus attraktiv, zitiert die Welt den Personalberatungs-Spezialisten. Allerdings liebäugelten sie eher mit Berlin. Auch Marcus Schenck, Finanzvorstand der Deutschen Bank, schätzt, dass Berlin gute Voraussetzungen mitbringt, zum  bedeutenden Finanzplatz zu werden: Die Stadt sei hochattraktiv für junge Talente, so Schenck gegenüber der Zeitung.

Könnte es nach den momentan als Favoriten gehandelten Städten wie Paris oder eben Frankfurt also noch einen lachenden Dritten geben? Bankentürme hin oder her – dem Coolnessfaktor der Bundeshauptstadt hat Frankfurt wenig entgegenzusetzen.