Bert Flossbach im Interview „Als aktiver Aktionär können wir die Interessen unserer Anleger vertreten“

Unternehmensmitgründer und Fondsmanager Bert Flossbach will sich als Aktionär ab sofort mehr einmischen. | © FvS

Unternehmensmitgründer und Fondsmanager Bert Flossbach will sich als Aktionär ab sofort mehr einmischen. Foto: FvS

Der Fondsanbieter Flossbach von Storch will sich ab sofort als Investor stärker in die Führung von Unternehmen einmischen. Als Auftakt hat Unternehmensgründer Bert Flossbach einen offenen Brief an Daimler-Vorstand Dieter Zetsche formuliert und ihn im aktuellen Kapitalmarktbericht an die Anleger veröffentlicht.

Darin enthalten eine Forderung: Der Daimler-Konzern solle sich aufspalten und Zetsche die Neustrukturierung auf den Weg bringen. Aus dem Dax-notierten Konzern soll nach Flossbachs Forderung einerseits das  Unternehmen „Mercedes-Benz Cars“ hervorgehen, das das Erbe der PKW-Sparte antritt, und andererseits die Firma „Daimler Trucks“, die das LKW-Geschäft übernimmt.

Auf diese Weise könne das gewinnträchtige Unternehmen die nicht betroffene LKW-Sparte aus dem Skandal heraushalten. Der Konzern könne sich einen insgesamt höheren Börsenwert sichern – und so auch eine mögliche feindliche Übernahme verhindern.

Im Interview mit DAS INVESTMENT verrät Bert Flossbach, was er sich von dem offenen Brief verspricht – und wie sein Haus die Rolle als aktiver Aktionär zukünftig wahrnehmen möchte.

DAS INVESTMENT: Sie haben einen offenen Brief an den Daimler-Chef Dieter Zetsche geschrieben. Haben Sie sich zum ersten Mal in dieser Form an einen Unternehmensvorstand gewendet?

Bert Flossbach: Ja, aber wahrscheinlich nicht das letzte Mal. Wir suchen generell ein partnerschaftliches Verhältnis mit den Vorständen der Unternehmen, in denen wir investiert sind. Bei Daimler geht es darum, alle Stakeholder abzuholen und dabei vor allem zu erklären, dass ein ehrlicher Spin off besser ist als eine halbgare Holdinglösung. Mehr Fokus, mehr Identifikation und Flexibilität bedeuten eine höhere Schlagkraft im harten Wettbewerb – und damit nachhaltigen Erfolg, einen höheren Unternehmenswert sowie mehr Sicherheit für die Mitarbeiter. Wir haben bisher kein einziges Argument vernommen, dass gegen einen sauberen Spin Off, aber für eine komplexe Holdinglösung steht. Wir möchten mit dem Brief vor allem auf die Dringlichkeit hinweisen, mit der eine solche Reform eigentlich vorangetrieben werden sollte, um aus einem derzeit noch guten Unternehmen langfristig zwei bessere zu machen.

Sie argumentieren, dass Daimler durch eine Aufspaltung besser vor ungeliebten Investoren geschützt wäre. Wen und was meinen Sie genau?

Bert Flossbach: Die massive Unterbewertung lädt weniger freundlich gesinnte Aktionäre geradezu ein, Anteile auf- oder auszubauen. Im Gegensatz zu  BMW hat Daimler keinen Mehrheitsaktionär, der eine unfreundliche Übernahme oder Zerschlagung verhindern könnte. Ein Spin Off dagegen würde die verborgenen Werte sichtbar machen. Eine Mercedes-Benz- und eine Daimler-Trucks-Aktie dürften deutlich mehr wert sein als eine Aktie des Konglomerats Daimler AG. Letztlich ist ein hoher Unternehmenswert immer der beste Schutz gegen eine unfreundliche Übernahme.