Bert Flossbach: "Viele Sparer enteignen sich freiwillig"

Bert Flossbach

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>>> In der kommenden Woche können Sie wieder abstimmen: Drei Experten stellen sich IHREN FRAGEN: Wen wollen Sie befragen und was würden Sie von dem Experten gerne wissen, schreiben Sie uns unter myinterview@dasinvestment.com oder nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Artikel.

Frage der Redaktion: Für Schlagzeilen sorgt derzeit auch die Bankenkrise in Spanien. Wie ernst ist das Problem und welche Folgen hätte ein Bankencrash für die Finanzmärkte?

Bert Flossbach: Spaniens Bankensystem leidet unter der geplatzten Immobilienblase. Betroffen sind vor allem die spanischen Sparkassen. Ohne frisches Kapital wären die meisten Cajas längst bankrott. Die in Aussicht gestellten Mittel aus dem Europäischem Stabilitätsmechanismus, ESM, von bis zu 100 Milliarden Euro dürften erst der Anfang sein, denn die Kreditausfallraten steigen weiter an.

Niemand vermag seriös abzuschätzen, welche Risiken noch in den Bankbilanzen versteckt sind. Der deutsche Steuerzahler haftet damit nun auch für die Verbindlichkeiten spanischer Banken.

Leserfrage: Wie erklären Sie sich das Phänomen, dass es noch immer Banken zu geben scheint, die weiterhin mit geliehenem (Steuer-)Geld zocken?

Flossbach: Schuld sind vor allem falsche, politisch aber durchaus gewollte Anreizsysteme. Solange sich Banken zu einem Prozent Zinsen für drei Jahre frische Liquidität bei der EZB besorgen und damit – ohne auch nur einen müden Euro Eigenkapital mitzubringen – für 7 Prozent spanische und italienische Staatsanleihen kaufen können, wird sich an der Spielkasinomentalität in den Banken kaum etwas ändern. Diesem Treiben ließe sich leicht ein Ende bereiten, wenn man die Eigenkapitalanforderungen an Banken drastisch erhöhen würde.

Leserfrage: Wie geht es mit den Target-2-Salden, also den Zahlungsverpflichtungen der Notenbanken untereinander, weiter?

Flossbach: Die Target-2-Forderungen der Bundesbank sind ein Symptom der massiven wirtschaftlichen Verwerfungen innerhalb der Eurozone. Zum einen sind sie Ausdruck der Leistungsbilanzdefizite der Euro-Peripherie, die nicht durch den Zufluss von privatem Kapital finanziert sind. Zum anderen reflektieren sie die Kapitalflucht aus den Südländern nach Deutschland. Dadurch haben sich in der Bilanz der Bundesbank inzwischen Forderungen gegenüber dem Eurosystem von rund 700 Milliarden Euro aufgetürmt.

Solange sich die wirtschaftlichen Gräben in Europa weiter vertiefen und die EZB ihre Anforderungen an die Qualität der von den Banken als Pfand zu hinterlegenden Sicherheiten immer weiter verwässert, ist nicht mit einem Abbau der Target2-Forderungen der Bundesbank zu rechnen. Auf der kommenden Seite gibt Bert Flossbach Tipps, wie man sein Vermögen aktuell am besten anlegt.