„Big Bang für den Aktienmarkt“ Die amerikanische Steuerreform wird einschlagen

Findet auch gute Seite an der amerikanischen Steuerreform: Assenagons Chefvolkswirt Martin Hüfner | © Assenagon

Findet auch gute Seite an der amerikanischen Steuerreform: Assenagons Chefvolkswirt Martin Hüfner Foto: Assenagon

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Vor einem Jahr sprachen alle über „Reflation Trades“. Man nahm an, dass der neue amerikanische Präsident eine expansive Wirtschaftspolitik betreiben würde. Dies sollte zu mehr Wachstum und Inflation führen. Anleger sollten von höheren Gewinnen profitieren, sich aber gegen Geldentwertung schützen. Heute wissen wir, dass sich die Hoffnungen nicht oder jedenfalls nur zum Teil erfüllt haben.

Was damals nicht geschah, könnte jetzt mit einem Jahr Verspätung kommen. Und zwar als Folge der Steuerreform, die kurz vor Jahresschluss in einem Hauruckverfahren vom Kongress verabschiedet wurde. Ihre Wirkungen werden bisher unterschätzt. Zum Teil, weil viele gegenüber allem, was Präsident Trump macht, zunächst einmal skeptisch sind. Zum Teil aber auch, weil sie zu sehr auf die Verluste schauen, die vor allem Banken mit Verlustvorträgen durch die Steuerreform erleiden. Tatsächlich ist die Steuerreform in den USA ein Jahrhundertwerk, das die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und in der Welt über Jahre beeinflussen wird (mehr als vieles Gerede über „America First“). Sie ist die größte Steuerreform der USA seit Ronald Reagan vor 30 Jahren. Sie wird sich ähnlich positiv auswirken.

1,5 Billionen Dollar Steuern weniger

Kernstück ist die Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent. Daneben gibt es einen Anreiz zur Rückführung von Auslandsguthaben in die USA. Sie werden künftig nur noch mit 15,5 beziehungsweise 8 Prozent besteuert. Ferner werden die Einkommensteuersätze zurückgenommen (allerdings nicht so spektakulär). Die Gesamtentlastung der Steuerzahler beläuft sich über zehn Jahre gerechnet auf schätzungsweise 1.500 Milliarden Dollar. Für ein Jahr sind das im Schnitt 150 Milliarden Dollar (= 0,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, BIP). 2018 wird der Effekt noch nicht so groß sein, in den kommenden Jahren, wenn sich das System eingespielt hat, dafür aber umso größer.

Die wichtigsten Wirkungen sind: Das gesamtwirtschaftliche Wachstum in den USA wird sich um 0,4 Prozent – 0,5 Prozent im Jahr erhöhen. In diesem Jahr kämen die USA dann auf ein Plus von 2,7 Prozent, im nächsten auf 2,8 Prozent. Das ist nicht so viel wie manche Trump-Anhänger glauben, aber ordentlich. In jedem Fall werden die USA Europa in puncto Wachstum wieder in den Schatten stellen.

Die Gewinne der Unternehmen werden sich erhöhen. Dadurch verbessern sich die Bewertungen am Aktienmarkt. Die Erträge der Firmen steigen so stark, dass einige auch ihre Mitarbeiter daran partizipieren lassen. Der Einzelhändler Walmart beispielsweise will den Mindestlohn für Berufsanfänger von 9 auf 11 Dollar erhöhen und gleichzeitig an alle einen Bonus von 1.000 Dollar ausschütten. Fiat Chrysler will seinen Angestellten einen Bonus von rund 2.000 Dollar geben. Das ist ein ungewöhnliches Verhalten, vor allem amerikanischen Firmen hätte ich das nicht zugetraut. Es bedeutet, dass die Löhne und Gehälter durch die Verringerung der Unternehmenssteuern steigen und vermutlich neue Jobs geschaffen werden. Dadurch könnte auch der private Verbrauch profitieren.