„Big Data“ und künstliche Intelligenz „Geschäftsmodell der Versicherer steht vor Umbau“

US-Schauspielerin Julianne Hough wirbt für den Fitness Tracker Fitbit Alta, der unter anderem die Herzfrequenz des Trägers aufzeichnet. Während einige deutsche Krankenkassen den Kauf solcher Geräte bezuschussen, führte die Generali vor einem Jahr das Fitness-Tracking bei Versicherungen ein: Per „Vitality App“ auf dem Smartphone werden Bonuspunkte beim Sport gesammelt. Die entsprechenden Daten werden zum Beispiel per Fitness-Armband an eine Generali-Tochter übermittelt. | © Getty Images

US-Schauspielerin Julianne Hough wirbt für den Fitness Tracker Fitbit Alta, der unter anderem die Herzfrequenz des Trägers aufzeichnet. Während einige deutsche Krankenkassen den Kauf solcher Geräte bezuschussen, führte die Generali vor einem Jahr das Fitness-Tracking bei Versicherungen ein: Per „Vitality App“ auf dem Smartphone werden Bonuspunkte beim Sport gesammelt. Die entsprechenden Daten werden zum Beispiel per Fitness-Armband an eine Generali-Tochter übermittelt. Foto: Getty Images

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Hato Schmeiser, Universität St. Gallen

Deutschlands Versicherer haben zwar Strategien, um dem Megatrend Digitalisierung zu begegnen, verknüpfen diese aber bislang nicht ausreichend mit ihren langfristigen IT-Planungen und ihrem Geschäftsmodell. Die operative Umsetzung der Strategien und das Erzielen möglicher Wettbewerbsvorteile werden so erschwert.

Das sind Ergebnisse der Studie „Die Chancen der IT in der Digitalisierung von Versicherern“ von EY Innovalue, einer strategischen Managementberatung für die Finanzdienstleistungsindustrie, und des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, mit Guidewire Software als Sponsor.

Sie zeigt den Status quo der Digitalisierung bei 15 Versicherern und die Auswirkungen für deren IT-Abteilungen. Demnach müssen sich die Rolle der IT und die Arbeitsabläufe in den Unternehmen für langfristigen Erfolg fundamental wandeln. Außerdem müssen Qualifizierungsrückstände bei den Belegschaften aufgeholt werden.

„Big Data“ und künstliche Intelligenz

Wie die Analyse ergibt, schätzen Versicherer zentrale Themen der Digitalisierung wie Big Data oder künstliche Intelligenz zwar als sehr relevant ein und sehen sie als Teil ihrer Digitalisierungsstrategien, binden sie aber nicht effektiv in ihre Abläufe ein. Gründe hierfür sind unter anderem Ressourcen- und Kapazitätenmängel in den IT-Abteilungen. Dies bedroht die Wettbewerbsfähigkeit der Versicherer.

„Es gibt verschiedene strategische Ansätze, wie Versicherer der Digitalisierung begegnen können. Unabhängig vom gewählten Weg kommt der IT eine Schlüsselposition bei der Umsetzung zu. Dieses Grundverständnis ist oftmals nicht ausreichend vorhanden“, erklären Stephan Maier, Partner und Managing Director bei EY Innovalue, und Hans Eder, Executive Director bei EY Innovalue.

Die IT-Abteilung wird zum Flaschenhals

„Die IT-Abteilung wird zum Flaschenhals, wo sie eigentlich antreiben sollte. Versicherer sollten eine individuelle Roadmap von der Strategie bis zu konkreten Umsetzungsschritten aufsetzen, in der Business, IT und Digitalisierung eng miteinander verzahnt werden“, ergänzen Maier und Eder.

Hato Schmeiser, Lehrstuhlinhaber und Geschäftsführer des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, erklärt: „Das Geschäftsmodell der Versicherer steht vor einem Umbau.“ In Zeiten der Digitalisierung gehe es für sie darum, ihre Datenschätze für passgenaue Angebote zu nutzen.

„Sie verfügen über äußerst wertvolle Daten, tun sich aber schwer, diese mit den veränderten Kundenbedürfnissen zu verzahnen. Wenn sie hier nicht schnell aufholen, werden Internetkonzerne, wie zum Beispiel Google, Amazon und Facebook, mit entsprechenden Know-how im Bereich der Datenverknüpfung in den Markt eintreten und Versicherer auf ihrem eigenen Feld schlagen.“