Bildende Kunst Die aufregendste Geldanlage der Welt

Karl-Heinz Thielmann, Vorstand von Long-Term Investing Research - Institut für die langfristige Kapitalanlage

Karl-Heinz Thielmann, Vorstand von Long-Term Investing Research - Institut für die langfristige Kapitalanlage

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Mit einem Umsatzzuwachs von 12 Prozent und einem Gesamtvolumen von 47,4 Milliarden Euro (nach Schätzungen von „The European Fine Art Foundation“ in Maastricht) erlebte der Kunstmarkt 2013 einen weiteren Aufschwung, wobei allerdings noch nicht ganz das Niveau von 2007 (48 Milliarden Euro) – dem Jahr vor der Finanzkrise – erreicht wurde. Starke Umsatzsteigerungen bei vielen Auktionshäusern im ersten Halbjahr 2014 deuten aber darauf hin, dass im laufenden Jahr für den gesamten Kunstmarkt neue Rekordzahlen erreicht werden.

Getrieben wird dieser Boom vor allem von vermögenden Privatleuten, die zeitgenössische Kunst kaufen. Allerdings ist gerade diese Kategorie in vielerlei Hinsicht oft nur schwer verständlich. Mit dem „Art Consultant“ hat sich deswegen ein neuer Beruf etabliert, der sich darauf spezialisiert hat, Anleger beim Investment in Kunst zu beraten. Die Private Banking Abteilungen fast aller Banken haben inzwischen eigene Kunst-Experten eingestellt, die Ähnliches leisten sollen.

Ist zeitgenössische Kunst etwas ganz Spezielles, was immer mehr Wertschätzung verdient? Ist sie deswegen auch als eine Kapitalanlage geeignet, die sich jedoch nur besonders schwer bewerten lässt? Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage für den „Art & Finance Report 2014“ von Deloitte und ArtTactic gaben 76 Prozent aller befragten Kunstsammler an, dass sie Kunst aus Investmentüberlegungen erwerben. 88 Prozent aller Family Offices sowie 64 Prozent der an der Untersuchung beteiligten Private Banking Abteilungen von Finanzinstituten gab an, dass die Beschäftigung mit Kunst-Anlagen für sie in den nächsten zwölf Monaten ein strategischer Fokus ist. 50 Prozent der teilnehmenden Family Offices sehen zudem Kunstinvestments als Möglichkeit der Risikostreuung im Rahmen einer über verschiedene Anlageklassen verteilten Strategie an.

Kann es aber nicht auch sein, dass sich die Preise am Kunstmarkt längst von der Realität entfernt haben, sodass wir uns in "der großen Blase für zeitgenössische Kunst“ befinden? Dies behauptet zumindest der britische Investigativ-Journalist und Dokumentarfilmer Ben Lewis schon seit einigen Jahren. Ist vielleicht der ganze Markt für zeitgenössische Kunst sogar ein Riesenschwindel, weil nicht etwa, wie die Anhänger behaupten, "moderne Kunst radikal und schwer zu ergründen," sondern "leer und zynisch" ist, wie die Kunstkritikerin Jackie Wullschlager vor ein paar Wochen in der Financial Times formulierte?

Diese Unklarheiten gepaart mit der steigenden Beliebtheit von Kunstinvestments sollte Grund genug sein, sich einmal eingehend mit dem Markt für zeitgenössische Kunstwerke sowie deren Eignung für die langfristige Kapitalanlage auseinanderzusetzen. Dieser Text beschäftigt sich mit dem Kunstmarkt und seinen Besonderheiten. Eine weitere Analyse wird sich mit der Bestimmung des Wertes für Kunst befassen.

Galeristen spielen eine zentrale und außergewöhnliche Rolle am Kunstmarkt

Der Markt für bildende Kunst ist kein Handelsplatz wie jeder andere. Dies liegt einerseits daran, dass sich der Wert von Kunst nicht einfach aus der Knappheit beziehungsweise dem Nutzwert wie bei andern Gütern ableiten lässt. Er ergibt sich auch nicht aus dem Gegenwartswert von prognostizierten zukünftigen Cashflows wie bei normalen Finanzinvestments. Hierfür sind andere Faktoren wichtig wie die „künstlerische Qualität“ oder die „Echtheit“. Hierauf wird im zweiten Teil noch detaillierter eingegangen.