Bill Gross „Goldlöckchen Yellen vor Drahtseilakt bei Rekord-Schulden“

Janet Yellen trat im Februar 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze des Federal Reserve Board an. | © Getty Images

Janet Yellen trat im Februar 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze des Federal Reserve Board an. Foto: Getty Images

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Fondsmanager Bill Gross wechselte im September 2014 von Pimco zu Janus Capital. 
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„Janet Yellen ist ein Goldlöckchen heutiger Zeit“, schreibt Gross über die US-Notenbankvorsitzende in seinem monatlichen Anlageausblick, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. „Wie macht sie sich? Bisher wohl ganz gut. Aber unser hoch verschuldetes Finanzsystem ist wie ein Laster mit einer Ladung Nitroglyzerin auf einer holprigen Straße.“

Gross, der den 1,9 Milliarden Dollar schweren Janus Global Unconstrained Bond Fund verwaltet, warnt, dass die US-Wirtschaft so schuldenüberfrachtet sei, dass ein falscher Schritt so etwas wie einen Ansturm auf die Zentralbank auslösen kann. Weltweit sind die Kredite in Relation zum Bruttoinlandsprodukt höher als zu Beginn der Finanzkrise 2008, sagt er.

„Ein Fehler kann eine Kreditimplosion auslösen, bei der die Investoren in Aktien, Hochzinsanleihen und Subprime-Hypotheken alle zur Bank rasen“, erklärt er. „Heutzutage ist die Flexibilität der Notenbank nicht mehr die, die sie damals war“, schreibt er in Anspielung auf 2008.

Aktien haben ein „Zuckerhoch“ erreicht

Aktien, die nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump auf Rekordstände kletterten, haben ein „Zuckerhoch“ erreicht, weil unrealistische Wachstumsraten erwartet werden, sagte Gross am Donnerstag gegenüber Bloomberg Television. Er erwarte keinen „Rückgang von 10 Prozent“, sondern niedrige Anlagerenditen in der Zukunft.

Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries sind am Donnerstag erstmals seit Dezember über 2,6 Prozent gestiegen. Im Januar hatte Gross gesagt, dass dies ein Meilenstein wäre, der den Beginn eines Bond-Bärenmarktes markiert. Ein derartiger Wendepunkt würde Jahrzehnte sinkender Zinsen infolge der Notenbankpolitik und niedriger Inflation bei schwachem Wirtschaftswachstum umkehren, so Gross.

„Wenn wir 2,6 nach oben durchbrechen, würde dies eine Rückkehr zum alten Üblichen statt der Neuen Normalität signalisieren“, sagte er gegenüber Bloomberg TV. Die Staatsverschuldung der USA in Relation zum BIP lag im Juli - der letzte Monat für den Zahlen verfügbar sind - bei 104,8 Prozent verglichen mit 67,5 Prozent in dem Zeitraum bis 31. Juli 2008 - also vor Beginn der Wall-Street-Finanzkrise, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.