Bill Gross: “Money for Nothing”

Bill Gross. Quelle: Getty Images

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Nicht Ben Bernanke, sondern Milton Friedman war der Erste, der vorschlug, Geld von Hubschraubern abzuwerfen, um eine Deflation zu verhindern. Doch in seiner inzwischen berühmten „Helikopter-Rede“ im Jahr 2002 zeigte sich auch Bernanke von diesem Konzept begeistert.

Darin machte er nach damaligen Maßstäben kühne Voraussagen über nahezu unvorstellbare Politikmaßnahmen, die dann aber Jahre später dem unerwarteten Finanzdebakel von 2008 folgen sollten: Leitzinsen, die über einen längeren Zeitraum auf dem Nullniveau blieben, eine Ausweitung der Asset-Käufe, die durch die Federal Reserve über US-Staatsanleihen hinaus getätigt würden, und selbstverständlich nahezu unbegrenzte Anleihenkäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung (QE), sofern dies nötig sein würde.

Doch waren dies keine Innovationen von Bernanke, ebenso wenig wie der Begriff QE: Die politischen Behörden wandten viele dieser Maßnahmen bereits in den späten 1930er- und 1940er-Jahren an, und auch in Japan kamen sie in den vergangenen Jahren wiederholt zum Einsatz. Dennoch hätte die Tatsache, dass der damalige Fed-Gouverneur die Geldpolitik offensichtlich als künftiges Mittel der Wahl befürwortete, ein Zeichen für die Anleger sein sollen, dass er bereit sein würde, im Fall der Fälle einen Hubschrauber zu steuern. „Ebenso wie Gold“, verkündete er, „sind US-Dollar nur wertvoll, weil ihr Angebot streng limitiert ist. Doch die US-Regierung verfügt über ein technologisches Mittel, das auch als Druckmaschine bekannt ist (oder ihr heutiges elektronisches Pendant). Diese ermöglicht ihr eine Herstellung von US-Dollars in jeder gewünschten Menge, die im Grunde kostenfrei ist.“

Ben Bernanke ging nie weiter darauf ein, was er unter “kostenfrei” verstand. Vielleicht meinte er Nullzinsen, obwohl zehnjährige US-Staatsanleihen zum damaligen Zeitpunkt, im Jahr 2002, noch 4 Prozent einbrachten. Oder vielleicht wusste er etwas, das den amerikanischen Bürgern, ihren politischen Repräsentanten und nahezu allen Anlegern immer noch nicht bewusst ist: dass die quantitative Lockerung – der Kauf von US-Staatsanleihen und Agency-Hypotheken durch die Privatwirtschaft – auf vielerlei Arten tatsächlich kostenfrei ist. Es geht um Vertrauen

Auch wenn die meisten von uns eine derartige kostenfreie Ausstellung von Schecks wohl als recht unglaubwürdig erachten, beschreibt sie genau das, was eine Notenbank tut. Doch wenn einfache Bürger und Unternehmen ihre Konten nicht überziehen können, ohne sich strafbar zu machen, wie ist es dann möglich, dass die Federal Reserve oder die Europäische Zentralbank oder jede andere Notenbank mit dem Drucken von „elektronischem Geld“ im Umfang von mehreren Billionen Dollar und dessen Verteilung mithilfe elektronischer Helikopterflüge davonkommt?

Nun, die Antwort auf diese Frage ist recht kompliziert, liegt aber doch auf der Hand: Sie finden einen Weg. Wenn die Fed nun jeden Monat Schecks in Höhe von 85 Milliarden US-Dollar ausstellt, um US-Staatsanleihen und Hypotheken zu erwerben, sind diese tatsächlich nicht durch entsprechende Rücklagen in der „Bank“ gedeckt. Angeblich sind sie durch mehrere Billionen Dollar an „Goldzertifikaten“ gesichert, die einen Anspruch auf die geheimen Reserven in Fort Knox darstellen, in Wirklichkeit befindet sich dort jedoch nichts als Vertrauen.

Wenn Primärhändler, wie JP Morgan oder die Bank of America, ihre US-Staatsanleihen an die Fed veräußern, erhalten sie im Gegenzug eine „Gutschrift“ auf ihren Fed-Konten, die als „Reserven“ bezeichnet wird. Zwar können diese Reserven auch für andere Zwecke ausgegeben werden, dann erhält jedoch wiederum eine andere Bank eine Gutschrift für ihre Reserven und so weiter. Die Fed versicherte ihren Mitgliedsbanken: „Vertraut mir, wir werden Eure Reserven stets achten“, und dies tun die Banken auch, ebenso wie die Unternehmen und einfachen Bürger den Banken vertrauen – „and the beat goes on“, wie Sonny und Cher sangen.

Und so umfasst das US-Finanzsystem 54 Billionen Dollar an Krediten, basierend auf dem Vertrauen in eine Notenbank, die nichts in ihrem Tresor hat, um sie zu decken. Erstaunlich.