BKC-Experte blickt auf Osteuropas Schwellenländer „Warum im Osten für uns die Sonne aufgeht“

Hält osteuropäische Schwellenländer für besonders aussichtsreich: Bernhard Matthes, Bereichsleiter Portfoliomanagement des BKC AM | © BKC AM

Hält osteuropäische Schwellenländer für besonders aussichtsreich: Bernhard Matthes, Bereichsleiter Portfoliomanagement des BKC AM Foto: BKC AM

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Was haben Länder wie China, Ägypten und Malaysia mit Polen, Tschechien und Ungarn gemeinsam? Sie gelten alle als Emerging Markets (EM). Zumindest gehören sie zu den 24 Ländern, die im MSCI Emerging Markets vertreten sind, dem wohl bekanntesten Index für Schwellenländer. Das zeigt, wie heterogen dieser Begriff ist. Und oft ist dann auch vor allem von Lateinamerika oder Asien die Rede, wenn es um Rendite-Chancen in interessanten Schwellenländern geht.

Echte Perlen vor der Haustür

Dabei gibt es vor der deutschen Haustür echte Perlen zu entdecken, wenn es zum Beispiel um das Thema Staatsanleihen geht. Die östlichen EU-Länder Tschechien, Slowakei, Polen und Ungarn sind insgesamt die wachstumsstärksten in Europa, ihr BIP-Wachstum lag 2017 bei durchschnittlich 4,5 Prozent (EU-Durchschnitt 2,4 Prozent). Der gegenwärtige Aufschwung ist deutlich solider abgestützt ist als der erste Osteuropa-Boom bis 2007.

Das heißt also, dass es das Schwellenland nicht gibt, sondern eine differenzierte Betrachtung nötig ist. Das betrifft insbesondere das Thema Währungen. Mit den Zinssteigerungen durch die Fed in letzter Zeit und die immer wieder aufflammende Sorge vor einem Handelskrieg sind auch einige Währungen der EM in letzter Zeit unter Druck geraten. Auch hat der erstarkte Dollar einen negativen Effekt, da schätzungsweise 80 % der Verschuldung in den EM in US-Dollar kotiert sind, eine Dollar-Aufwertung also den Schuldendienst erschwert.

Aber es gibt auch eine ganze Reihe positiver und stärkender (Währungs-)Faktoren besonders in Osteuropa wie eine robuste Leistungsbilanz, die lokale Zinsentwicklung, eine geringe Verschuldung sowie nachhaltiges Wachstum, welche die Valuta positiv beeinflussen. Zwar leiden die Währungen Ungarns, der Forint (HUF), der polnische Zloty (PLN) und auch die tschechische Krone (CZK) derzeit etwas unter der allgemeinen Risikoaversion im EM-Sentiment sowie unter speziellen Europa-Risiken (Italien). Doch gerade letzteres sehen wir nicht unbedingt als gerechtfertigt und nachvollziehbar an. Wir fühlen und mit den Risiken in Polen und Tschechien wohler als mit dem Italien-Risiko.