BlackRock-Interview „2016 wird aktiven Anleihemanagern gute Chancen zur Outperformance liefern“

Michael Krautzberger, Leiter für Euro-Anleihen bei BlackRock (Bild: BlackRock)

Michael Krautzberger, Leiter für Euro-Anleihen bei BlackRock (Bild: BlackRock)

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DAS INVESTMENT: War 2015 ein gutes Jahr für Anleihen?

Michael Krautzberger: Es war ein sehr gemischtes Jahr, nicht einfach für Anleihemanager. Einige Segmente waren unter Druck, zum Beispiel Hochzins- oder Emerging-Markets-Anleihen. Euro-Anleihen hatten sicherlich ein besseres Jahr als andere Anleihesegmente. Die Entwicklung von sicheren Staatsanleihen war aufs Gesamtjahr gesehen eigentlich okay. Aber selbst hier gab es starke Schwankungen, so dass die Rendite in Relation zur Volatilität weniger attraktiv war.

Eine mögliche Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank begleitet uns schon das ganze Jahr. Ist es für die Anleihemärkte überhaupt wichtig, ob der erste Zinsschritt jetzt im Dezember erfolgt oder später?

Krautzberger: Traditionell haben Risikomärkte Angst vor einer Zinserhöhung und sind im Vorfeld sehr nervös – wie man zurzeit auch sieht. Anleiheinvestoren mögen Zinserhöhungen auch nicht, da mit ihnen die Kurse fallen. Dennoch sind wir der Meinung, dass es für den Markt eher schlecht wäre, wenn die Zinserhöhung – trotz der erklärten Absicht der Fed – im Dezember noch nicht erfolgt. Das wäre kein vertrauenswürdiges Signal und würde in Frage stellen, ob die Fed jemals in der Lage sein wird, die Zinsen anzuheben. Langfristig ist eine Anhebung für den Markt ohnehin gesünder.

Die EZB hat ihre Geldpolitik Anfang Dezember weiter gelockert, die Fed wird wahrscheinlich die Zinsen anheben. Welche Auswirkungen hat eine solche gegensätzliche Notenbankpolitik?

Krautzberger: Dass beide Aktionen in einen Monat fallen, ist schon sehr speziell. Angesichts der Wirtschaftsdaten sind beide aber durchaus gerechtfertigt. Die Divergenz hat sehr starke Auswirkungen auf den Markt. Das dürfte auch ein Grund sein, warum die EZB eher zurückhaltend war. Ein anhaltender Abwärtstrend des Euro Richtung Parität hätte den Zinsschritt für die Fed erschwert. Die Divergenz wird sich 2016 fortsetzen. Ich rechne damit, dass auch künftig beide Parteien nicht zu aggressiv, sondern maßvoll agieren.

Beeinflussen steigende US-Zinsen die Renditen von Euro-Anleihen?

Krautzberger: Zehnjährige Bundesanleihen sind zwar durch die EZB-Kaufprogramme gut unterstützt. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn die Rendite mit einer Zinserhöhung in den USA und einer konjunkturellen Erholung in der Eurozone wieder Richtung ein Prozent steigen würde. Ein solcher Anstieg gilt aber nur für langfristige Anleihen, Papiere bis zu fünf Jahren sollten gut geschützt sein.

Wo sehen Sie gute Chancen im Anleihebereich?

Krautzberger: Wir mögen inflationsgeschützte Anleihen. Wir erwarten zwar keinen starken Anstieg der Inflation. Die Anleihepriese spiegeln allerdings zurzeit wider, dass es etwa zehn Jahre dauert, bis die Inflation in die Nähe von 2 Prozent rückt, dem EZB-Ziel. Das halten wir für übertrieben pessimistisch, vor allem wenn man davon ausgeht, dass sich der Ölpreis in den nächsten ein bis zwei Jahren stabilisieren könnte, zwar nicht steigt, aber auch nicht weiter fällt. Pfandbriefe sind ebenfalls im Vergleich zu anderen Marktsegmenten wieder interessant geworden. Sie waren eines der ersten Segmente, in dem die EZB gekauft hat. In letzter Zeit waren sie jedoch aus dem Fokus geraten.

Wie sieht es bei Unternehmensanleihen aus?

Krautzberger: Hier bevorzugen wir zurzeit Finanzanleihen von Banken und Versichern gegenüber Industrieanleihen. Wir setzen aber nicht breit auf den Markt, sondern wählen sehr bedacht aus.

Und die Peripherie?

Krautzberger: Peripherieanleihen spielen für uns immer noch eine große Rolle. Wir denken, dass die politischen Risiken in Spanien etwas zu hoch gepreist sind. Anfang des Jahres hatten populistische Parteien in Europa inspiriert durch Griechenland stärkeren Zulauf, auch die spanische Podemos. Bei den Parlamentswahlen am 20. Dezember rechnen wir wieder mit einem freundlicheren Szenario. Wir haben Spanien übergewichtet relativ zu Italien.

Freuen Sie sich auf das Jahr 2016, oder haben Anleihemanager keinen Grund mehr zur Freude?

Krautzberger: Zugegeben, Fixed Income ist für Anleger zurzeit nicht das Paradies. Die Renditen sind einfach sehr niedrig. Aus Sicht eines aktiven Managers ist die aktuelle Phase allerdings durchaus interessant. Ein aktiver Manager wünscht sich, dass etwas im Markt passiert, wozu er sich eine Meinung bilden und entsprechende Positionen eingehen kann. Das können politische Events sein, der Ölpreis mit seinen Auswirkungen oder Zinsbewegungen und die Divergenz zwischen Fed und EZB. Je mehr unterschiedliche Opportunitäten der Markt bietet, desto mehr Chancen sind da. Natürlich muss man sich bewusst sein, dass nicht jede Anlageidee aufgeht, selbst wenn man sie eingehend analysiert. 2016 wird aktiven Managern sicherlich gute Chancen bieten, ihre Benchmark deutlich zu übertreffen. Unser Ehrgeiz ist es dazuzugehören.

Was heißt das in Performance?

Krautzberger: Wir rechnen mit einer ähnlichen Performance wie in diesem Jahr. Mit den BGF Euro Bonds liegen wir zum 10. Dezember 2 Prozent im Plus. Für 2016 wären wir mit knapp 2 Prozent nicht unglücklich.

Was fürchten Sie 2016 am meisten?

Krautzberger: Meine größte Angst ist, dass die US-Konjunktur so stark abkühlt, dass die Fed den ersten Zinsschritt nicht macht oder nach dem ersten wieder aufhören muss, und die Märkte dann für einen aktiven Manager relativ langweilig werden. Ich hoffe, dass die Weltkonjunktur robust bleibt, so dass die USA die Zinsen anheben können. Eventuell wird 2016 dadurch etwas schwieriger aufgrund der Preisbewegungen durch die Zinserhöhungen. Aber selbst ein Erhöhungszyklus ist attraktiver für einen Anleihemanager als ein jahrelang stagnierendes Nullzinsumfeld.