BlackRock-Kapitalmarktstratege Felix Herrmann „An China kommt kein Schwellenland-Investor vorbei“

Arbeiter bereiten in Jiangsu im Osten Chinas Rohre für den Transport vor. | © Getty Images

Arbeiter bereiten in Jiangsu im Osten Chinas Rohre für den Transport vor. Foto: Getty Images

Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock

Herr Herrmann, welche Rolle spielt China aktuell unter den Schwellenländern?

Felix Herrmann: Bei BlackRock teilen wir Emerging Markets generell in Rohstoff-Exporteure und Rohstoff-Importeure ein. China wird jedoch gesondert betrachtet. Der Mega-Staat ist schließlich in jeglicher Hinsicht eine Ausnahme. Er ist mit Abstand das größte und wichtigste Schwellenland und trägt ein Drittel zum globalen Wachstum bei. Welcher Investor keine großen Stücke auf China setzt, hält meist allgemein nicht viel von Schwellenländern.

Welche Wachstumserwartungen haben Sie für das Jahr 2018 an China?

Herrmann: Wir prognostizieren ein Konjunkturplus von 6,5 Prozent. China wächst dieses Jahr voraussichtlich so stark, als würde die Größe der Volkswirtschaft Spaniens dazukommen.

Wann wird der Staat voraussichtlich den Übertritt vom Schwellen- zum Industrieland schaffen?

Herrmann: China ist ein Land der Gegensätze. Gleichzeitig befindet sich das Land bereits seit mehreren Jahren in einem großangelegten Transformationsprozess hin zu einer Volkswirtschaft, die nach Planungen der Regierung in Peking bald weniger vom Export in den Westen abhängen soll. Die großen Städte an der Ostküste, in denen 90 Prozent der Wertschöpfung entsteht, haben eigentlich gar keinen Schwellenland-Charakter mehr. Der ländliche Norden und Westen ist hingegen nach wie vor unterentwickelt. Die Abwanderung in die großen Städte lässt hier keine wirklich starke Entwicklung zu.

Chinas Wirtschaft hat im vergangenen Jahr oft für negative Schlagzeilen gesorgt. War die Berichterstattung über die kriselnde Stahlindustrie und stockende Wachstumsraten übertrieben?

Herrmann: China hatte wie alle Schwellenländer nach der Finanzkrise massive Probleme. Die Regierung in Peking hat lange versucht, der Industrie mit Krediten unter die Arme zu greifen. Vor allem die staatseigene Aluminium- und Stahlproduktion  wurde unabhängig vom Nachfrageniveau stark unterstützt. Dadurch sind Überkapazitäten entstanden, worunter auch die europäische Stahlindustrie litt. Insofern waren die negativen Schlagzeiten gerechtfertigt. Andererseits ist China ein zentral gesteuertes Land, das mit den Krediten schnell und effizient auch die Probleme nach der Finanzkrise reagieren konnte. Wenn es sich nach der Finanzkrise nicht gefangen hätte, wären auch europäische Volkswirtschaften in Mitleidenschaft gezogen worden.