BlackRock-Kapitalmarktstratege Felix Herrmann über Anlagetrends „2017 wird ein Aktienjahr“

Party am Silvesterabend in Key West, Florida | © Getty Images

Party am Silvesterabend in Key West, Florida Foto: Getty Images

2017 wird in Europa ein Superwahljahr. Sollten in Italien Neuwahlen stattfinden, wird in vier der fünf größten Eurostaaten gewählt, wobei sich der wie ein Flächenbrand ausbreitende Vormarsch der globalisierungskritischen Parteien aller Voraussicht nach fortsetzt. Ganz klar: Die Wahlen werden Europas Zusammenhalt auf eine harte Probe stellen. Darüber hinaus ist bis dato wenig bekannt über Inhalte, Umsetzung und Zeitplan der Agenda des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Und auch der Brexit wird die Finanzmärkte 2017 stark beschäftigen.

Diese politischen Risiken sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Hauptfokus an den Finanzmärkten seit geraumer Zeit auf ein anderes Thema richtet: eine sich verbessernde wirtschaftliche Situation der Weltwirtschaft und vor allem die Rückkehr der Inflation. Wir erwarten im kommenden Jahr eine von den USA angeführte, beschleunigte Reflation der Wirtschaft, das heißt einen Anstieg des nominalen Wachstums, der Löhne und der Preise. Eine expansive Haushaltspolitik dürfte hierbei weltweit die Rolle des Impulsgebers übernehmen.

Anleiherenditen – vor allem in den USA – sollten daher ihre Talsohle durchschritten haben. Auch in Europa werden die Zinsen voraussichtlich leicht steigen. Wir bei BlackRock favorisieren dementsprechend Aktien vor Anleihen und Unternehmensanleihen vor Staatsanleihen. Zu rechnen ist neben höheren Renditen mit steileren Kurven, weshalb wir im Anleihesegment Kurzläufern den Vorzug vor Langläufern geben und Value-Titel anleiheähnlichen Aktien vorziehen.

Alternde Gesellschaften bremsen Wachstum

Trotz des konjunkturellen Reflations-Impulses schmälern strukturelle Faktoren wie alternde Gesellschaften und nur noch geringe Produktivitätszuwächse weiterhin das Wachstumspotenzial. Diese dürften auch den Anstieg der Realzinsen begrenzen und die Erträge an den Finanzmärkten insgesamt langfristig mindern. Engagements in Aktien, Schwellenländern und alternativen Anlageklassen dürften sich dennoch – oder gerade deshalb – auszahlen.

Innerhalb des Aktiensegments erwarten wir eine zunehmende Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern. Dies hängt vor allem mit dem Paradigmenwechsel von einer ultralockeren Geldpolitik hin zu einer expansiveren Fiskalpolitik zusammen: Während die lockere Geldpolitik alle Boote gehoben hat, werden haushaltspolitische Maßnahmen und eine gewisse Deregulierung manchen Branchen zugute kommen – zu Lasten anderer.