BlackRock-Kapitalmarktstratege Felix Herrmann „Vorrangig Dividendenaktien mit Schwerpunkt Europa kaufen“

Fahnen im Europagebäude, Sitz des Rates der Europäischen Union in Brüssel: 2018 dürfte ein Dividenden-Rekordjahr werden. | © Getty Images

Fahnen im Europagebäude, Sitz des Rates der Europäischen Union in Brüssel: 2018 dürfte ein Dividenden-Rekordjahr werden. Foto: Getty Images

Felix Herrmannd, Kapitalmarktstratege bei BlackRock

Herr Herrmann, 2018 könnte erneut ein Rekord bei den Ausschüttungen von Dividendenaktien erreicht werden. Was spricht dafür?

Felix Herrmann: In erster Linie deutet die gute konjunkturelle Lage auf einen neuen Rekord hin. Die Weltwirtschaft wächst 2018 voraussichtlich um 3,8 Prozent. Das wirkt sich natürlich auf Unternehmensgewinne aus. In den USA rechnen Experten im Zuge der Steuerreform mit einem Plus von 18 Prozent. In Europa beläuft sich der Zuwachs voraussichtlich auf 8 Prozent.

Im Vergleich zum Jahr 2017 ist das aber wenig.

Herrmann: Stimmt, 2017 haben wir uns in Europa noch über einen Anstieg von 15 Prozent gefreut. 8 Prozent sind aber immer noch beachtlich – vor allem in der ausgereiften Konjunkturphase, in der wir uns befinden. Das ist eine gute Basis für hohe Dividendenzahlungen.

Wie hoch werden die Dividendenausschüttungen in Europa dieses Jahr voraussichtlich sein?

Herrmann: In Europa schütten Unternehmen wahrscheinlich knapp 350 Milliarden Euro aus. Auf Deutschland entfallen davon wohl etwas mehr als 50 Milliarden Euro. Parallel zum Dividendenplus sinkt jedoch die Ausschüttungsquote, also das Verhältnis zwischen ausgeschütteter Dividende zu Unternehmensgewinnen, laut Schätzungen auf 42 Prozent. Im Jahr 2015 lag der Wert noch bei 45 Prozent.

Woran liegt das?

Herrmann: Die Ausschüttungsquote sinkt, da sich die Maßnahmen zur Schuldenreduzierung sowie das Investitionsvolumen auf Unternehmensebene im Moment noch dynamischer entwickeln als die Dividendenzahlungen der Unternehmen.

Wie beurteilen Anleger diesen Trend?

Herrmann: Kurzfristig sind niedrige Ausschüttungsquoten schlecht fürs Depot – vor allem dann, wenn gleichzeitig das Dividendenvolumen insgesamt sinkt. Doch auf lange Sicht ist die Entwicklung durchaus erfreulich. Wenn Unternehmen aktiv investieren und damit den Grundstein für höhere Gewinne in der Zukunft legen, steigen potenziell auch die künftigen Renditen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind höhere Investitionen auf jeden Fall zu befürworten, da sie das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft erhöhen.

Welche Vorteile bieten Dividendenaktien?

Herrmann: Dividenden sind – insofern sie stabil ausbezahlt werden – in Phasen niedriger Zinsen verlässliche Renditebringer. Die Dividendenrendite von DAX-Unternehmen liegt im Schnitt bei 3 Prozent, während Unternehmensanleihen mit BBB-Rating nur rund 1,5 Prozent abwerfen. Zudem sind Dividendenaktien häufig nur in geringem Maße konjunkturabhängig – denken wir zum Beispiel an die Aktien von Konsumgüterherstellern. Der Absatz von Zahnpasta oder Staubsaugerbeuteln ist recht konstant, ganz egal ob es der Wirtschaft gut geht oder nicht. Sollte eine Krise ausbrechen sind Hersteller von Konsumgütern oft weiterhin in der Lage, Dividenden zu zahlen. Verbraucher putzen sich auch weiterhin die Zähne, selbst wenn es mit der Konjunktur bergab geht.

Welche Risiken bestehen bei Dividendenaktien im Allgemeinen?

Herrmann: Wenn die Zinsen steigen, sind Dividendenaktien nicht das Gelbe vom Ei.  In aller Regel verschlechtert sich dann ihr Rendite-Risikoprofil im Vergleich zu Anleihen. In den USA tendieren Anleger bereits zu zwei- und dreijährigen Staatsanleihen, die seit dem jüngsten Zinsanstieg wieder rund 2,5 Prozent Rendite abwerfen. Zudem ist die Realrendite der Treasuries wieder positiv, und auch die Nominalrendite liegt seit langer Zeit wieder oberhalb der US-Inflationserwartungen. Jetzt in den USA noch die Glocke für Dividendenaktien zu läuten, kann dementsprechend fatal sein.

Wie sieht es in Europa aus? Bisher erhöht ja nur die US-Notenbank fleißig die Zinsen, während sich die Europäische Zentralbank noch vornehm zurückhält.

Herrmann: Das ist ein wichtiger Punkt. Die Renditedifferenz zwischen US-Staatsanleihen und Bundesanleihen ist am kurzen Ende der Zinskurve so weit wie seit 30 Jahren nicht mehr, wodurch dividendenstarke Titel aus den USA im Vergleich zu Europa unattraktiver werden. Doch auch in Deutschland steigen die Zinsen. Die Renditen deutscher Bundesanleihen sind seit Jahresbeginn spürbar geklettert und liegen inzwischen bei knapp 0,6 Prozent. Das ist noch kein dramatischer Wert, doch der Trend zeigt eindeutig nach oben. Für die Märkte spielt dabei weniger das absolute Niveau eine Rolle, im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen vielmehr die Veränderungen.

Haben Sie diesen Trend schon in den Fondsstrategien von BlackRock berücksichtigt?

Herrmann: Zum Teil. Unsere Portfoliomanager sind aber nicht an Empfehlungen des BlackRock Investment Institutes gebunden. Einige unserer Kollegen haben ihr Engagement in Dividendenaktien jedoch bereits verringert.