Blackrock „Liquid Alternatives sind keine Wunderwaffe“

Ingo Heinen, Chef der Alternatives Specialists Group für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika von Blackrock

Ingo Heinen, Chef der Alternatives Specialists Group für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika von Blackrock

// //

DAS INVESTMENT.com: Warum sollte ich Liquid Alternatives kaufen?

Ingo Heinen: Zu den wesentlichen Gründen einer Allokation in liquide alternative Produkte gehört der Wunsch, die Ertragsströme zu streuen und das Verlustrisiko zu mindern. Dabei ist Anlegern mit Blick auf Letzteres wichtig, nicht zu viel Aufwärtspotenzial einzubüßen und gleichzeitig liquide zu bleiben. Genau diese beiden Vorteile bieten liquide alternative Anlageprodukte.

Welche Hedgefonds-Strategien eignen sich denn überhaupt für eine europäische Fondshülle?
 
Eine Reihe von Hedgefonds-Strategien lassen sich im Rahmen Ucits-konformer Strukturen gut nutzen. Bei manchen setzt das allerdings einen mehr oder weniger intensiven Anpassungsprozess voraus, während andere Strategien hierfür nahezu uneingeschränkt geeignet, andere wiederum gänzlich ungeeignet sind.

Was heißt das konkret?

Es gilt allgemein als unproblematisch, etwa einen Ucits-konformen Long/Short-Aktienfonds aufzulegen. Eine auf Not leidende Unternehmensanleihen basierende Strategie zu entwickeln, ist hingegen deutlich fragwürdiger. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich Aktien-Long- und Short-Positionen leicht in Ucits-Strukturen packen lassen, bei Short-Positionen etwa über synthetische Transaktionen, und nicht zuletzt, weil sie tendenziell liquide sind. Strategien mit Not leidenden Papieren indes, sogenannte Distressed-Strategien, sind grundsätzlich weniger liquide. Sie eignen sich daher unserer Meinung nach nicht für einen Ucits-Fonds, der mindestens vierzehntätig Rücknahmen anbieten muss. Die meisten bieten sogar eine tägliche Rücknahme.

Von welchen Strategien im Ucits-Mantel sollte ich noch die Finger lassen?

Nach den Ucits-Regeln sind bestimmte Instrumente wie etwa Rohstoffkontrakte nicht zugelassen. Das schließt beispielsweise Strategien von vornherein aus, die direkt solche Kontrakte in der Absicht kaufen, von Arbitrage-Chancen entlang der Öl-Terminkurve zu profitieren. Andere Strategien wiederum lassen sich technisch innerhalb von Ucits-Fonds zwar umsetzen, sind aber ökonomisch nicht sinnvoll. Wenn die originäre  Strategie so sehr gestutzt oder verändert werden muss, dass sich die Risiko- und Renditeeigenschaften dabei signifikant verschlechtern, macht ein Ucits-Fonds keinen Sinn.

Können die Produkte wirklich vor Verlusten schützen?


Manche Hedgefonds erweisen sich seit Jahren als durchaus wirksames Instrument, um das Verlustrisiko zu dämpfen. In der Finanzkrise haben sie sich in dieser Hinsicht allerdings sehr unterschiedlich bewährt. Entscheidend ist die richtige Auswahl der Strategie und des Managers. Ausschlaggebend ist die Fähigkeit des Managers, sich von der Richtung des Marktes zu lösen beziehungsweise auf Short-Positionen ausgerichtete Portfolios aufzubauen. Aber: Unter dem Strich schwanken die Erträge der Liquid-Alternatives-Fonds weniger stark. Das spiegelt den  Einfluss des aufsichtsrechtlichen Rahmens wider: Höhere Liquiditätsanforderungen bedeuten, dass man von der in vielen Märkten vorhandenen Illiquiditätsprämie zwar nicht profitieren kann, damit aber auch tendenziell weniger Risiko eingeht, dazu kommen strengere Leverage-Begrenzungen.

Aber ganz ohne Verluste geht es auch nicht.

Nein, natürlich nicht. Es ist ein Irrglaube vieler Investoren, dass sie mit diesen Produkten jedes Jahr konstant 6 bis 8 Prozent Rendite bekommen. Das ist vielleicht über fünf Jahre und länger zu schaffen, aber in der Zwischenzeit kann es durchaus zu Verlusten kommen. Entscheidend ist, dass die potenziellen Verluste geringer sind als bei „Long-Only“-Fonds. Liquid Alternatives sind keine Wunderwaffe. Jede Strategie hat ihr eigenes Risiko-Rendite-Profil.

Woran erkenne ich einen guten Manager?


Hier sind eine Vielzahl von Kriterien zu beachten, vor allem ein robuster, nachvollziehbarer Investmentprozess und die Qualität und Unabhängigkeit des Risikomanagements.

Planen Sie weitere Produkte?

2014 haben wir diverse Fonds aufgelegt, unter anderem in den Bereichen, Long/Short-Aktien, Schwellenländer und Multi-Strategie. Derzeit arbeiten wir an einer Reihe innovativer Ucits-Anlagestrategien, die wir noch in diesem Jahr auflegen wollen. Es ist aber noch nichts spruchreif.