Blackrock Mission Lift-off accomplished – wie geht’s nun weiter mit der Fed?

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

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Die Weltwirtschaft hat sich keineswegs vollständig erholt von den Nachwehen der Finanzkrise 2007/08, und sogar an der Gesundung der US-Wirtschaft gibt es Zweifel. So ist es das erste Mal seit 1989, dass die Fed die Zinsen erhöht hat, obwohl der wichtigste und verlässlichste Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA, der ISM Manufacturing-Index, unter 50 lag. Ein ISM unter 50 signalisiert, dass die Industrie schrumpft.

Nichtsdestotrotz war die gestrige Zinserhöhung ein richtiger und notwendiger Schritt, auch und gerade in Verbindung mit der Pressekonferenz, in der Janet Yellen auf die relative Robustheit der US-Wirtschaft hinwies. Richtig war die Zinsanhebung, weil Ökonomie zum größten Teil aus Psychologie besteht. Frau Yellen hat den Märkten die vertrauensstiftende Botschaft mitgegeben, dass nun, nach einer langen Zeit des vorsichtigen Abwartens, die Voraussetzungen für den Zinsschritt erfüllt sind. Die erleichtert-positive Marktreaktion spricht für sich. Aber der gestrige Zinsschritt war auch notwendig, denn weiteres Zögern hätte wohl die Glaubwürdigkeit der Fed beschädigt und eventuell später ein viel drastischeres Einbremsen erfordert.

Viel wird davon abhängen, wie sich die Inflation entwickelt

Dennoch bleiben Risiken. Das größte besteht darin, dass infolge des nun eingeschlagenen Zinspfades Verwerfungen bei Hochzins- und Schwellenlandanleihen entstehen, die die Fed zwingen könnten, ihre Zinswende deutlich abzuschwächen, im Extremfall sogar zurückzunehmen. Viel wird davon abhängen, wie sich globale Liquiditätsströme orientieren. Ziehen Investoren wie im Jahr 2013 massiv Dollar-Assets aus Schwellenländern ab, um sie im nun wieder attraktiveren US-Zinsmarkt anzulegen? Das könnte erneut Abwertungsdruck in den betreffenden Ländern auslösen. So weit muss es aber nicht kommen, denn es ist keineswegs ausgemacht, dass gerade die längerfristigen US-Zinsen nun wieder so schnell und heftig ansteigen wie 2013 und damit entsprechende Umpositionierungen auslösen.

Viel wird davon abhängen, wie sich im nächsten Jahr die Inflation entwickelt. Diese hängt nicht nur von den Rohstoffpreisen, sondern auch von der globalen Nachfrageentwicklung ab. Aus unserer Sicht stehen die Chancen gut, dass sich die Inflation in den USA – und etwas später auch in Europa – langsam erholt. Damit entstehen Preisüberwälzungsspielräume für Unternehmen und damit der Anreiz, wieder mehr zu investieren. Für verschuldete Sektoren öffnet selbst niedrige Inflation den lang ersehnten Ausweg aus der Schuldenfalle. Unterm Strich wäre dann die Zinsanhebung der Fed genau das, als was wir ihn verstehen sollten: Der Beginn einer Normalisierung.