BlackRock-Monatsbilanz für Januar Die Anleihe-Bären übernehmen

Braunbär im Wildpark Poing: Finanzexperten rufen einen Anleihe-Bärenmarkt aus | © Getty Images

Braunbär im Wildpark Poing: Finanzexperten rufen einen Anleihe-Bärenmarkt aus Foto: Getty Images

Das Jahr 2018 hatte zunächst so begonnen, wie das Jahr 2017 endete: mit steigenden Aktienkursen. Insbesondere amerikanische Aktien schossen im Anschluss an die Verabschiedung der Steuerreform in den USA in die Höhe.

Dennoch waren es im ersten Handelsmonat des Jahres 2018 weniger die Aktienmärkte, die im Scheinwerferlicht standen. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone steigen die Zinsen seit Jahresbeginn so rasant, dass in Expertenkreisen bereits vom Anleihe-Bärenmarkt die Rede ist. Die Rendite von deutschen zehnjährigen Anleihen verdoppelte sich fast und stieg auf den höchsten Stand seit Ende des Jahres 2015. US-Renditen standen dieser Entwicklung in nichts nach und kletterten im zehnjährigen Bereich mit einem Niveau von 2,80 Prozent sogar auf den höchsten Stand der vergangenen vier Jahre.

Globales Wachstum schiebt Zinsen an

Grund für den Zinsanstieg ist vor allem das starke globale Wachstumsumfeld. Die Prognosen wurden jüngst weiter nach oben korrigiert. Das prominenteste Beispiel ist wohl der internationale Währungsfonds, der seine globale Konjunkturprognose für das Jahr 2018 auf 3,9 Prozent anhob. Dementsprechend wächst unter den Anlegern langsam aber sicher die Vermutung, dass die Inflation stärker anziehen wird als gedacht. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass die Notenbanken die Zinsen möglicherweise schneller als geplant anheben.

Ein unerwartetes Überschießen der Inflation ist eines der größeren Risiken für die Märkte in diesem Jahr. Das gilt natürlich ganz besonders für die Anleihemärkte und hier wiederum vor allem für die sicheren Häfen wie deutsche Staatsanleihen, die bereits bei geringen Renditeanstiegen Verluste verbuchen.

In der Eurozone steigt die Inflation voraussichtlich nicht stark. Angefangen bei dem schwachen Lohnwachstum über den disinflationär wirkenden technologischen Wandel bis hin zu der hohen Verschuldung gibt es zahlreiche strukturelle Argumente gegen anziehenden Preisdruck.

EZB folgt vorerst Nullzinspfad

Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Führung von Mario Draghi rechnet bis zum Jahr 2020 nicht mit dem Erreichen der Zwei-Prozent-Hürde. Sollten die Preise stärker steigen, könnte eine Leitzinsanhebung Ende 2018 oder Anfang 2019 jedoch zum neuen Kernszenario des Marktes werden – mit den entsprechenden Nachteilen für die europäischen Rentenmärkte.

Der am ersten Wochenende des Monats Februar vereidigte neue US-Notenbankchef Jerome Powell hat in den USA derweil andere Voraussetzungen vor der Brust als sein EZB-Kollege Draghi. In den USA spricht aufgrund des höheren Lohnwachstums nämlich tatsächlich einiges für ein Comeback der Inflation in diesem Jahr.

Für die Aktienmärkte muss ein Zinsanstieg nicht notwendigerweise schlecht sein. Sollten ein höheres Wachstum sowie ein höherer Preisdruck die Ursachen für steigende Zinsen sein, so spricht ein derartiges Umfeld nicht gegen ein erfolgreiches Aktienjahr. Der Abschied vom Goldlöckchen-Szenario mit hohem Wachstum bei gleichzeitig niedriger Inflation wird aber dennoch nicht ohne Spuren in den Depots vonstattengehen.