BlackRock-Monatsbilanz für Juni Mario Draghi verunsichert Investoren

EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi

Bis Mitte Juni steuerten die Aktienmärkte in Europa einem neuen Rekordhoch entgegen. Dann ging ihnen die Luft aus. Das Gesamtergebnis des ersten Halbjahres kann sich dennoch sehen lassen. Der Ausblick weiter solider Unternehmensgewinne ist ebenso eingepreist wie die Erleichterung darüber, dass bei den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich rechtspopulistische Tendenzen abgewendet wurden.

Im gleichen Zuge ist die Trump-Rally, also der Optimismus bezüglich konjunkturstimulierender Maßnahmen der neuen US-Regierung, an den Aktienmärkten fast unbemerkt zu Ende gegangen. Investoren suchen in diesem Umfeld nach Gründen, aus Aktien auszusteigen.

Ende Juni waren es Mario Draghis Aussagen auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB), die als Anlass genommen wurden, sich von einigen Aktien zu trennen. Letztlich war der Juni somit der schwächste Monat bei europäischen Aktien seit Jahresbeginn. Auch an den Anleihemärkten sorgten Draghis Aussagen für Verluste.

Optimismus für Europa

Was genau ist passiert? Draghi zeichnete ein rundweg optimistisches Bild der europäischen Volkswirtschaft und empfahl gleichzeitig, durch die gegenwärtig niedrigen Inflationsraten „durchzuschauen“. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind das eigentlich gute Nachrichten.
Doch Investoren interpretierten Draghis Worte als Indiz, die EZB könnte ihr Anleihekaufprogramm bald beenden. Auch diese Normalisierung der Geldpolitik ist für sich genommen eigentlich vorteilhaft. Dennoch könnte die aus Sicht der Aktienmärkte sehr erfreuliche Phase starken wirtschaftlichen Wachstums bei gleichzeitig lockerer Geldpolitik ein Ende finden.

Ob die Niedrigzinsphase in der Eurozone bald endet, scheinen einige Anleger angesichts der niedrigen Inflationsraten allerdings noch zu bezweifeln. Und in der Tat steht die EZB vor einem Dilemma: Einerseits rechtfertigt die Preisentwicklung in der Eurozone wohl auch Ende des Jahres keinen Kurswechsel in der Geldpolitik. Von einer nachhaltigen, breit gefächerten und sich selbst tragenden Inflation, wie sie Draghi erhofft, wird wohl auch an Weihnachten 2017 keine Rede sein. Das Ende des Anleihekaufprogramms in diesem Spannungsfeld zu kommunizieren, wird sicher nicht leicht.

Wandel der Geldpolitik naht

Andererseits deuten zwei Gründe darauf hin, dass die EZB 2018 tatsächlich den Ausstieg einleiten wird. Zum einen sind da die „Schranken“ des Programms, die sich die EZB selbst gesetzt hat. So darf die Zentralbank beispielsweise nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Staatsanleihen eines Landes halten. Diese Grenze dürfte bei einigen Ländern 2018 erreicht werden. Eine Anpassung der Schranken würde die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigen und scheidet somit als Option aus.

Zum anderen wirkt die Geldpolitik mit zeitlicher Verzögerung von mehreren Quartalen. Die EZB könnte also durchaus zu dem Schluss kommen, dass eine Rückführung des Stimulus zum Jahresbeginn 2018 auch trotz dann noch niedriger Inflationsraten genau die richtige Strategie ist. Wir von BlackRock halten dieses Szenario für wahrscheinlich.

Letztendlich stellt sich die Frage, welche Faktoren den Märkten im Sommer und im weiteren Jahresverlauf Auftrieb verleihen könnten. Aus unserer Sicht sind vor allem die starken Unternehmensgewinne in Europa zu nennen. Die Skepsis rund um die Frage, ob die Inflation wirklich steigt, wurde zuletzt vor allem aus den USA genährt. Außerhalb der USA entwickeln sich die Volkswirtschaften jedoch weiterhin gut. Wir von BlackRock erwarten, dass sich die starken Wirtschaftsdaten in höheren Unternehmensgewinnen niederschlagen. Gewinne, die der Markt eben noch nicht zur Gänze eingepreist hat.