BlackRock-Monatsbilanz für Oktober „US-Unternehmensanleihen nicht mehr übergewichten“

Eine Frau schützt sich mit einem Schirm vor dem Oktober-Regen: China, Katalonien und die Europäische Zentralbank (EZB) machten im vergangenen Monat von sich reden | © Getty Images

Eine Frau schützt sich mit einem Schirm vor dem Oktober-Regen: China, Katalonien und die Europäische Zentralbank (EZB) machten im vergangenen Monat von sich reden Foto: Getty Images

Der Oktober war in vielerlei Hinsicht geschichtsträchtig. In einem aus Aktienmarktsicht sehr erfreulichen Monat wurden wir Zeugen von drei Ereignissen, die wohl noch länger Gesprächsthema sein werden.

Das erste, für die Finanzmärkte potenziell wichtige Großereignis fand in China statt. In Peking traf sich die kommunistische Partei der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu ihrem 19. Parteikongress. Überraschungen gab es bei dem Treffen aber letztlich keine. Dass etwa die Korruptionsbekämpfung und der Transformationsprozess der Wirtschaft mit einer Neuausrichtung des Industriesektors in China auch in den nächsten fünf Jahren im Fokus stehen, spielt keine große Rolle für die Finanzmärkte.

Die ausbleibenden Überraschungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung Chinas für die globalen Finanzmärkte immer wichtiger wird. Schließlich sind chinesische Aktien ab dem kommenden Jahr Teil des globalen MSCI-Aktienindex.

Spaniens Finanzmärkte stabil trotz Katalonien-Krise

Neben Chinas Parteikongress war im Oktober auch die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ein Top-Thema an den Börsen. Der Umgang der Finanzmärkte mit den Zentrifugalkräften in der Region im Nordosten Spaniens war jedoch vermutlich das Bemerkenswerteste an der gesamten Krise. Denn trotz der Auflösung des Regionalparlaments in Barcelona und der angesetzten Neuwahlen in der Region reagierten spanische Risikoaktiva mit erstaunlicher Ruhe auf die Querelen.

Noch vor wenigen Jahren hätte eine derartige Krise die Investoren wohl verschreckt. Heute fließen weiter Gelder in den spanischen Finanzmarkt. Die Risikoprämien weiten sich kaum merklich gegenüber vergleichbaren Staaten aus und auch Aktien verlieren nur moderat an Boden. Grund für die entspannte Reaktion ist in erster Linie die gute wirtschaftliche Verfassung Spaniens und der Eurozone insgesamt, die aus Investorensicht verlockend ist.

Scharfer Richtungswechsel bei der EZB

Neben China und Spanien hat sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober ihren Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Mit der Ankündigung, ab Januar 2018 die Anleiheankäufe an den europäischen Rentenmärkten von derzeit 60 Milliarden Euro pro Monat auf 30 Milliarden Euro zu halbieren, hat Präsident Mario Draghi einen bedeutsamen Sprung in kälteres Wasser gewagt.

Mit der Ankündigung, die Leitzinsen noch für lange Zeit auf dem aktuellen Niveau zu belassen, ist es Draghi jedoch gelungen, die „Tapering“-Nachricht in derart viel Watte zu verpacken, dass die Finanzmärkte letzten Endes sogar „bullish“ reagiert haben. Die Aktienkurse stiegen und die Zinsen fielen nach dem Notenbank-Entscheid am 26. Oktober. Der Euro gab entsprechend gegenüber dem US-Dollar nach und sank auf den niedrigsten Stand seit Juli dieses Jahres.

„Weiter Potenzial für Kurssteigerungen“

Wir von BlackRock sind nach wie vor der festen Überzeugung, dass das starke globale Wachstum einen nahezu idealen Nährboden für weitere Kurssteigerungen an den Aktienmärkten bietet. Die volkswirtschaftlichen Daten sowie starke Unternehmenszahlen unterstreichen die gesunde Verfassung der Weltwirtschaft und befeuern die Hoffnung auf einen erfreulichen Jahresausklang.

Die Wende in der Geldpolitik in den USA und Europa hat uns seit Oktober jedoch vorsichtiger werden lassen, was unsere Positionierungen im Bereich der Unternehmensanleihen betrifft. Nach den signifikanten Einengungen der Risikoprämien, die wir gesehen haben, raten wir nun nicht mehr zu einer Übergewichtung von US-Unternehmensanleihen. Staats- und Unternehmensanleihen aus Europa sollten ebenfalls untergewichtet werden, da hier bereits bei einem geringen Renditeanstieg Verluste drohen.