BlackRocks Chef-Investmentstratege Martin Lück zur US-Politik „Scheitert Trump schnell, droht ein Börsen-Crash“

Im US-Repräsentantenhauses ist Donald Trumps republikanische Partei mehrheitlich vertreten – genau wie im Senat. | © Getty Images

Im US-Repräsentantenhauses ist Donald Trumps republikanische Partei mehrheitlich vertreten – genau wie im Senat. Foto: Getty Images

Schadenfreude, dieser schöne und sehr deutsche Begriff, hat längst auch Einzug in den amerikanischen Sprachgebrauch gehalten. So mancher fühlt mit diesem Ausdruck seine gegenwärtige Gemütslage charakterisiert, wenn es um die Amtsführung der neuen US-Regierung geht.

Ob nun der krachend vor Gericht gescheiterte Einreisebann für Menschen aus sieben muslimischen Ländern, der Lügenskandal seines Sicherheitsberaters Michael Flynn oder angebliche Verstrickungen seines Wahlkampfteams mit russischen Agenten – der neue Präsident Donald Trump hat es wirklich nicht leicht. Längst ist von Krise, gar von Scheitern der neuen Regierung die Rede, aber: So verständlich die Schadenfreude auch sein mag, ein Scheitern Trumps sollten wir uns nicht wünschen.

Es gibt sicherlich viele gute Gründe, bezüglich des neuen US-Präsidenten skeptisch zu sein. Sollte er seine im Wahlkampf gemachten Ankündigungen komplett umsetzen, dürfte die Welt hinterher weder ein wohlhabender noch ein gerechterer Ort sein. Auch sicherer oder ökologisch nachhaltiger dürfte es kaum zugehen. Schlimm wäre aber ebenfalls, auch wenn sich viele Trump-Gegner genau dies wünschen, ein komplettes Scheitern der neuen Administration. Ein Widerspruch?

Schnelles Scheitern der US-Regierung nicht wünschenswert

Obwohl ich in nahezu keinem Punkt mit Trump übereinstimme, halte ich sein schnelles Scheitern doch unter den gegebenen Umständen nicht für wünschenswert. Dies hat drei Gründe: Erstens würde das ohnehin angeschlagene Vertrauen in die verfassungsmäßigen Institutionen der USA weiter geschwächt. Zweitens würde ein Scheitern einen Crash an den Finanzmärkten auslösen, da der „Trump-Trade“ schlagartig rückabgewickelt würde. Und drittens ist es nun, da Trump demokratisch gewählt ist, einfach konsequent, dass das Land den Versuch mit seiner Regierung unternimmt.

Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass es nicht funktioniert, dass auch diese Regierung den Frustrierten, den sozial Abgehängten, den Globalisierungsverlierern und Ausländerfeinden die gute alte Zeit nicht zurückbringen kann. Aber dann hat man es wenigstens probiert. Und eine wichtige Demokratie, die größte Volkswirtschaft der Welt mit ihrer stolzen Tradition von Checks und Balances, hat es der Welt vorgemacht, dass sie stark genug ist, sogar mit einer derartigen Herausforderung umzugehen.

Offenbar ist allerdings auch ein uneingeschränkter Erfolg Trumps nicht wünschenswert, denn er würde wohl zu den oben genannten Entwicklungen führen. Die beste Lösung, auch aus Sicht der Finanzmärkte, liegt also irgendwo in der Mitte. Insofern sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass Donald Trump sich als lernfähig erweist und darüber hinaus willens ist, sich durch die normative Kraft des Faktischen (im Gegensatz zum bisher präferierten Postfaktischen beziehungsweise den „Alternative Facts“) einhegen zu lassen.

Wenn diejenigen recht haben, die meinen, Trump habe zwar Präsident werden, aber niemals wirklich sein wollen, steht den USA – und damit der ganzen Welt – ein rauer Ritt bevor. Gut möglich, dass sich seine eigene Partei, deren wichtigste Wegmarke die Wahl 2020 ist, schon vor den Midterm Elections 2018 von ihm abwendet.

Möglich auch, dass dann die Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus in einer Weise kippen, die den Präsidenten für die verbleibenden Jahre zur „Lame Duck“ machen. Sehr gut möglich schließlich, dass er 2020 abgewählt wird. All dies wäre dann aber eine Entwicklung innerhalb der demokratischen Leitlinien. Und die Welt bekäme endlich klar vor Augen geführt, wohin es führt, wenn die Bevölkerung eines großen Landes auf die simplen Wahrheiten eines Populisten hereinfällt.