Blick auf die Märkte „Die Stimmung hat sich aufgehellt“

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

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Die Aktienmärkte haben die Woche nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit leichten Gewinnen beschlossen. Die Anleihenmärkte haben kaum reagiert. Der Euro-Dollar-Wechselkurs verharrte auf seinem etwas höheren Niveau von rund 1,13, das er nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 10. März erreichte. Bemerkenswert ist, dass diese Aufwertung dem deutschen Aktienindex DAX kaum mehr zu schaden scheint.

Generell verdichten sich jedoch die Anzeichen dafür, dass die negative Stimmung des Jahresanfangs immer mehr einer konstruktiveren Marktverfassung weicht. Anleger neigen dazu, etwas riskanter zu investieren als am Jahresbeginn. Dafür sprechen folgende Argumente:

- Weniger Zeichen für eine Rezession in den USA

- Stabilisierungssignale aus China

- Bodenbildung beim Ölpreis (und einigen anderen Rohstoffen)

- Normalisierung der Kerninflation in den USA

Aktienkurse steigen nach Fed-Entscheidung deutlich

Angesichts dieser positiven Nachrichten ist es verständlich, dass Anleger bereit sind, für Gewinne von Aktiengesellschaften wieder etwas höhere Preise zu bezahlen. Bei den großen US-amerikanischen Indizes sind die Ausgangsniveaus von Ende Dezember inzwischen bis auf 0,3 Prozent erreicht, und auch der DAX liegt nur noch um 7,4 Prozent hinter dem Dezember-Niveau. Die Lücke wird wahrscheinlich in den kommenden Tagen geschlossen.

Bemerkenswert ist auch, dass die Aktien- und Anleihenmärkte entspannt auf die Entscheidung der Fed reagiert haben, ihren geldpolitischen Kurs deutlich moderater zu gestalten. Im September letzten Jahres hatten die Märkte auf die als zu sanft empfundene Haltung der US-Notenbank noch mit heftigen Verlusten reagiert.

Diesmal blieb die Stimmung ruhig. Das ist keineswegs selbstverständlich. Es hatte zwar fast niemand mit einer Zinserhöhung gerechnet, wohl aber ebenso wenig damit, dass die Fed gleich zwei von vier ihrer bis Dezember 2016 geplanten Zinserhöhungen streichen würde.

Im Ergebnis liegt die Fed, die jetzt zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte in Aussicht stellt, nun nur noch minimal höher als der Markt, der nur einen Schritt bis zum 31. Dezember 2016 einpreist.

Europa entwickelt sich stabil

In der kommenden Woche liefern vor allem europäische Konjunkturindikatoren kursrelevante Nachrichten. Der Ifo- und ZEW-Index sowie die europäischen Einkaufsmanagerindizes werden veröffentlicht. Experten gehen davon aus, dass die deutschen Indizes in den nächsten Monaten leicht steigen. Für Europa ist es wichtig, dass die Einkaufsmanagerindizes sowohl in der Industrie als auch in den Dienstleistungssektoren oberhalb der 50 Zählerpunkte verharren und damit weiter ein verhaltenes Wachstum signalisieren.

Was bedeutet das für Anleger?

Trotz der leicht verbesserten Stimmung an den Finanzmärkten ist eines sicher: Die Krise, in die die Märkte Anfang Januar schlitterten, ist keineswegs überwunden. Sowohl das Flüchtlingsproblem als auch die Brexit-Ängste bedrohen die Kurse nach wie vor, Wachstum und Inflation sind immer niedrig, und die Erholung des Ölpreises hängt davon ab, ob ein Deal zwischen der OPEC und Russland zustande kommt.

Es ist zwar inzwischen nicht mehr völlig undenkbar, dass die großen Indizes das Jahr im Plus beschließen, aber rekordverdächtig dürfte es nicht werden. Hierfür ist der Ausblick auf die Gewinnentwicklung zu schlecht. Zudem dürften die politischen Risiken die Bewertungen drosseln.