Blick auf die Märkte „Ich glaube nicht, dass sich die Märkte sofort erholen“

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

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War es das schon? Haben wir mit dem Kurssprung der letzten Woche die gruseligen ersten Wochen dieses Finanzmarktjahres wirklich hinter uns gelassen? Immerhin hat der DAX letzte Woche um rund 8 Prozent zugelegt. Die Gründe hierfür waren wohl die Erholung des Ölpreises (rund 15 Prozent auf Wochenbasis für die Sorte Brent) und die Aussicht auf finanzmarktfreundliche Verlautbarungen der Federal Reserve und der EZB im nächsten Monat. Hier aber beginnen bereits die Probleme. Unterm Strich glauben wir, die Antwort lautet: Nein, das war es noch nicht. Die Märkte werden volatil bleiben, das Rückschlagpotential ist hoch.

Skeptisch sind wir bezüglich aller drei Voraussetzungen, die unseres Erachtens für eine nachhaltige Erholung bei den Preisen für Risiko-Assets notwendig sind, nämlich eine Begrenzung der Ölförderung, eine unterstützende (und damit glaubwürdigere) Zentralbankpolitik und schließlich positive Signale bezüglich des globalen Wachstums.

Begrenzung der Ölförderung hilft Finanzmärkten nicht

Was den ersten Punkt betrifft, glauben wir nicht an eine dauerhaft stabilisierende Wirkung. Die wachsweiche Absprache zwischen Russland und Saudi-Arabien, ihre Fördermengen auf dem (exorbitant hohen) Januarniveau einzufrieren, dürfte den Ölpreis kaum wieder in Regionen führen, mit denen die Förderländer besser leben können. Dies gilt umso mehr, als sämtliche Lagerbestände zum Bersten gefüllt sind und die Absprache keine Aussage enthält, die den an den Ölmarkt zurückdrängenden Iran davon abhalten könnte, über die nächsten Monate wieder mehr Öl zu verkaufen.

Auch die zweite Voraussetzung scheint kaum zu schaffen. Für Zentralbanken wird es immer schwieriger, geldpolitische Lockerung so zu gestalten, dass die Nebenwirkungen möglichst gering ausfallen. Die Verwerfungen um den europäischen Bankensektor in der vorvergangenen Woche haben etwa gezeigt, dass negative Einlagezinsen zunehmend als Belastung empfunden werden und sogar Geschäftsmodelle von Banken per se in Frage stellen.

„Zentralbanken geht die Munition aus“

Senkt die EZB also den Einlagezins im März um mehr als die erwarteten 10 Basispunkte, was wir für durchaus denkbar halten, senkt sie zwar die angesichts niedriger Inflation als zu hoch empfundenen Realzinsen, muss sich aber auf Gegenwind für den Bankensektor einstellen. Gleichermaßen ist es keineswegs ausgemacht, dass die Märkte positiv reagieren, wenn die Fed im März auf einen weiteren Zinsschritt verzichtet. Unterm Strich sieht es so aus, als würde den Zentralbanken bald die Munition für effektive weitere Lockerung ausgehen, jedenfalls bezüglich solcher Maßnahmen, die von den Märkten einhellig als positiv beurteilt werden.

Schließlich wären für eine fundamental getragene Markterholung vermutlich bessere Wachstumszahlen notwendig, vor allem aus den USA und China. Für die Vereinigten Staaten waren vor zwei Wochen erstmals ernsthafte Rezessionsängste aufgetaucht, als der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen leicht abrutschte. Hier ist die Angst vieler Anleger keineswegs gebannt. Es bedarf deutlich stärkerer Zahlen, nicht nur vom Arbeitsmarkt sondern idealerweise auch von Industrie- und Service-Unternehmen, um Marktteilnehmer davon zu überzeugen, dass den USA zwar schwächeres Wachstum, aber keine Rezession bevorsteht.