BMW statt Bund – Unternehmensanleihen lohnen sich

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Das hartnäckige Zinstief erhöht die Gefahr, sich mit deutschen Staatsanleihen zu verzetteln. Eigentlich gelten die beliebten Schuldtitel ja als absolut sicher. Anleger schaffen es mit ihnen jedoch kaum noch, die Inflation auszugleichen. Verdeckte Risiken verschlechtern das Chance-Risiko-Verhältnis zusätzlich. Steigt beispielsweise das allgemeine Zinsniveau, drohen bei den Bonds des Bundes empfindliche Kursverluste. Diese fallen umso stärker aus, je länger die Papiere laufen. Einige Anleiheexperten scherzen bereits, Bundesanleihen würden ein – so wörtlich – „renditeloses Risiko“ darstellen.

Der Anlagenotstand bei Staatstiteln schärft den Blick für die Attraktivität von Unternehmensanleihen. Der Markt für die Corporate Bonds blüht auf, weil es den Unternehmen zusehends besser geht. Großkonzerne wie Daimler oder Nestlé profitieren von der weltweiten Wertschätzung für ihre Produkte und verdienen prächtig. Entsprechend hoch wird die Bonität dieser Firmen eingeschätzt.

Facettenreicher Anleihemarkt

Auf dem Markt für Corporate Bonds wächst unterdessen die Vielfalt. Immer mehr Emittenten aus ganz unterschiedlichen Branchen nutzen die Chance, sich zu akzeptablen Konditionen direkt am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Auf diese Weise reduzieren sie ihre Abhängigkeit von der Kreditwirtschaft. Manchen Banken kommt dies sogar entgegen, weil sie die Vergabe von Firmenkrediten einschränken. Denn die Geldinstitute müssen für herausgereichte Darlehen zukünftig mehr Eigenkapital vorhalten, um den verschärften Regeln der Finanzaufsicht nachzukommen.

Auch die Käufer von Unternehmensanleihen profitieren. Sie können aktuell mit Renditen von etwa drei bis vier Prozent pro Jahr rechnen. Solche Wertzuwächse lassen sich mit einem diversifizierten Portfolio aus Corporate Bonds erzielen, die über ein „Investmentgrade“-Rating verfügen. „Unternehmensanleihen sind die Anlageklasse der Zukunft“, prognostiziert daher Dietmar Zantke, Rentenfondsmanager und Geschäftsführer des Stuttgarter Asset Managers Zantke & Cie. (hier geht’s zum Interview).

Nervenkitzel nicht gefragt

Drei bis vier Prozent pro Jahr – das ist lukrativer als es zunächst scheint. Denn diese Erträge lassen sich mit vergleichsweise konservativen Zinstiteln erzielen. Hier lag die Ausfallwahrscheinlichkeit zuletzt unter der Schwelle von einem Prozent. So genannte Hochzinsanleihen, auch „High-Yield-Bonds“ genannt, bleiben bei dieser Betrachtung nämlich außen vor. Diese Papiere sind mit höheren Risiken behaftetet als Investmentgrade-Anleihen, die über eine Bonitätsnote von BBB- oder besser verfügen. High-Yield-Bonds stellen ein eigenes Segment dar, für das auch spezialisierte Investmentfonds aufgelegt werden. Mit diesen lassen sich signifikant höhere Renditen erzielen. Wer hier investiert, muss sich allerdings auch auf deutlich stärkere Schwankungen einstellen.

Corporate Bond-Rentenfonds, die auf Qualitätsunternehmen setzen, verzichten auf diesen Nervenkitzel. Gleichzeitig meiden sie die Schuldverschreibungen von Banken, denen immer noch viel Misstrauen entgegenschlägt. Bei der Zusammenstellung eines Portfolios aus Unternehmensanleihen achten Fondsmanager außerdem auf die Restlaufzeit der selektierten Einzeltitel, auch Duration genannt. Momentan empfiehlt es sich, Papiere mit kürzeren und mittleren Fälligkeiten zu bevorzugen. Das ist wichtig, um einen möglichen allgemeinen Renditeanstieg abzufedern. Rentenpapiere, auch Unternehmensanleihen, gleichen solche Anstiege naturgemäß über sinkende Kurse aus.