Börsenblatt Bitcoin und die Reinkarnation eines archaischen Relikts

Georg Graf von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz: „Bitcoins werden niemals eine Währung werden“.

Georg Graf von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz: „Bitcoins werden niemals eine Währung werden“.

Als Bitcoins am 3. Januar 2009 zu existieren begannen, war die Finanzwelt in heller Aufruhr. Nicht wegen der Bitcoins, sondern weil die Institutionen der Wall Street einen massiven Vertrauensverlust provoziert hatten, dem die Zentralbanken mit einer kräftigen Zinssenkung und der Ausweitung ihrer Bilanzen begegnen mussten. In dieser Phase der großen Vertrauenskrise in die bestehenden Institutionen schuf ein Kryptograph unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto die Bitcoins. Mit seinen Eigenschaften sind Bitcoins so etwas wie das Gold des digitalen Zeitalters: sie erfüllen eine gewisse Sehnsucht nach finanzieller Unabhängigkeit vom staatlich überwachten System, bieten einen Schutz vor Inflation und die Bewertung findet ausschließlich auf Grund von Spekulation statt. Und so stört es im Grunde niemanden, dass man damit nicht einkaufen kann.

Ein reines Spekulationsobjekt

Bitcoins werden allerdings niemals eine Währung werden. Denn eine solche muss zum Einkauf taugen – nicht nur zum Handel auf dem Bildschirm – und zur Wertaufbewahrung. Keines der beiden Kriterien erfüllen die Bitcoins. Sie sind zu volatil und taugen nicht für die reale Güterwelt.

Wo stehen wir also jetzt bei den Bitcoins? Gewiss lassen sich dieselben Argumente, die für Gold sprechen, auch für Bitcoins anführen. Aber es gilt ebenso für Bitcoins das Diktum von John Meynard Keynes, wonach es sich bei Gold um ein „archaisches Relikt“ handle, also um ein im Wesentlichen emotionales Asset, das einem aufgeklärten Investor immer fremd bleibt. Ich weiß nicht, wer heute noch in Bitcoin investiert, aber ich tippe auf Weltuntergangspropheten, Spekulanten, Drogendealer und Anarchisten. Aber letztlich ist das nicht relevant, denn Währungen tragen immer ein gewisses Glaubenselement in sich. Wer an den Wert bedruckten Papiers glauben kann, kann prinzipiell auch an den Wert einer Zahl auf dem Bildschirm glauben. So gehe ich davon aus, dass der Bitcoin bleiben wird, auch wenn ihn niemand wirklich brauchen kann. Als Spekulationsobjekt eignet er sich allemal, und die dahinterstehende Technik ist genial.

Gefahr von Blasenbildung

Und dennoch werden wir die Finger davon lassen. Bitcoins sind sehr anfällig für eine Blasenbildung: Die Kryptowährung ist eine neue „Story“. Bislang hat niemand einen Verlust damit gemacht, denn es geht eigentlich immer nur nach oben. Die einfachen Gewinne lassen die Spekulanten an den Wahrheitsgehalt ihrer Story glauben. Dies sind die klassischen Elemente, aus denen Blasen geboren werden. Der Anstieg der Bitcoins von fast 0 auf 7.400 Dollar innerhalb weniger Jahre sollte klugen Investoren zu denken geben.

Bitcoins sind also nichts für Leute wie uns. Aber die Entwicklung steht noch ganz am Anfang. Es wird sich lohnen, sie zu verfolgen. Und sei es nur als Barometer für den Risikoappetit des Marktes. Denn so lange die Bitcoins so weiterlaufen, muss man sich über die Bewertungen und Trends am Aktienmarkt keine großen Sorgen machen.

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