Börsengehandelte Indexfonds Forscher ermitteln Schattenseite des ETF-Booms

Aktienkurse: Finanzwissenschaftler beschäftigten sich jetzt mit der Volatilität bei Unternehmen, in deren Anteilsscheine viele Indexfonds investieren. | © Marko Greitschus / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Aktienkurse: Finanzwissenschaftler beschäftigten sich jetzt mit der Volatilität bei Unternehmen, in deren Anteilsscheine viele Indexfonds investieren. Foto: Marko Greitschus / pixelio.de

Francesco Franzoni, Università della Svizzera italiana

Das wachsende Volumen börsennotierter Indexfonds, die nach Angaben der Rating-Agentur Morningstar Ende 2017 europaweit erstmals rund 670 Milliarden Euro verwalteten, beunruhigt immer mehr Marktbeobachter. Nervös werden einerseits Anbieter klassischer Investmentfonds, deren organische Wachstumsrate im vorigen Jahr laut Morningstar etwa lediglich 8,1 Prozent betrug. Zum Vergleich: Bei Exchange Traded Funds (ETFs) stieg das verwaltete Vermögen im gleichen Zeitraum ohne den Einfluss des allgemeinen Marktwachstums um deutlich höhere 18,6 Prozent.

Andererseits wird auch immer öfter Kritik an der steigenden Bedeutung der passiv gemanagten Investmentprodukte vonseiten der Wissenschaft laut. Zu ihnen zählen die Wirtschafts- und Finanzprofessoren Francesco Franzoni von der Universität der italienischen Schweiz im Kanton Tessin sowie Itzhak Ben-David und Rabih Moussawi von Universitäten in den US-Bundesstaaten Ohio beziehungsweise Pennsylvania. Sie analysieren in einer aktuellen Studie die Effekte des ETF-Booms auf den Börsenwert von US-Unternehmen, in deren Anteilsscheine viele Indexfonds investieren. 

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ETF-Vermögen steckt vor allem in Aktien

Für den internationalen Aktienmarkt haben Indexprodukte einen besonders hohe Relevanz: Ungefähr Zweidrittel des insgesamt in ETFs verwalteten Vermögens steckt in Aktienprodukten, zeigt die jüngste Morningstar-Jahresstatistik. Demnach flossen rund 60 Prozent der Rekordsumme von knapp 100 Milliarden Euro, die ETF-Anbieter 2017 in Europa einsammelten, in Aktienmarktprodukte. Das führte die drei internationalen Finanzwissenschaftler zu der Frage, wie sich die passiv gemanagten Investments auf die mit der Kennzahl Volatilität ausgedrückten Schwankungen der Aktienkurse auswirken. 

Denn aufgrund ihrer relativ niedrigen Handelskosten eignen sich die Indexfonds aus Investorensicht für das kurzfristige Anlegen liquider Mittel. Als Folge könnten Liquiditätsschocks die Kurse der Wertpapiere in den ETF-Portfolios beeinflussen, ohne dass sich irgendetwas an den fundamentalen Unternehmensdaten der jeweiligen Aktiengesellschaften geändert hat. Die drei Studienautoren wiesen bei den untersuchten Indextiteln signifikant höhere Volatilitäten nach. Konkret beziffern sie den Risikoaufschlag bei Aktien, die in mehreren Indizes vertreten sind, auf 56 Prozentpunkte pro Monat.