Börsenkommentar „Crash-Test für Deutschlands Auto-Aktien“

Börsenkommentar: „Crash-Test für Deutschlands Auto-Aktien“

Jörg Wiechmann, Geschäftsführer im Itzehoer Aktien Club (IAC)

Abgasskandal und Kartellvorwürfe – die Autoindustrie steht am Pranger. Durchaus zu Recht. Doch die emotional aufgeladene Debatte braucht vor allem eins: Sachlichkeit.

Vor rund zwei Jahren kam der Diesel-Skandal auf, seitdem befinden sich die Aktien von VW, Daimler, BMW und Porsche im Rückwärtsgang. Wo Gesetze gebrochen und sogar betrogen wurde, müssen Strafen verhängt und Manager zur Verantwortung gezogen werden. Doch es handelt sich nicht gleich um Betrug, so lange der Gesetzgeber für Autohersteller großzügige Ausnahmen zulasse und die Aufsichtsbehörde deren weiträumige Ausnutzung seit Jahren billigt. Es wird ja auch nicht erwartet, dass Autofahrer freiwillig dort Tempo 70 fahren, wo 100 erlaubt ist.

Elektro-Mobilität als Lösung?

Ganz sicher ist es nicht der richtige Weg, den Diesel- oder gar den Verbrennungsmotor komplett zu verbannen und nur noch auf Elektro-Mobilität zu setzen. Denn deren Energie kommt aus der Steckdose und damit zum größten Teil aus Kohle und Atomkraft. Um die bundesweit 63 Millionen Autos auf Elektroantrieb umzustellen, braucht es 48 neue Kohlekraftwerke oder 24 neue Atommeiler.

Einzelne Unternehmen könnten das nicht bewältigen, es kann nur gelingen, wenn die deutsche Autoindustrie an einem Strang zieht. Fraglich ist, ob die Konzerne dazu angesichts der aktuellen Kartellvorwürfe Lust haben. Aber die Debatte muss geführt werden: Schließlich geht es nicht allein um die Zukunft der Autoindustrie, sondern aufgrund des hohen Stellenwertes der Branche auch um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.