„Bond King“ Bill Gross Star-Fondsmanager verzockt sich mit Bundesanleihen

Bill Gross: Der Mitgründer der heutigen Allianz-Tochtergesellschaft Pacific Investment Management Company (Pimco) ging nach seinem Zerwürfnis mit dem Management im September 2014 zu Janus Capital: Foto: Getty Images

Italien steht vor dem Machtantritt einer sehr ungewöhnlichen Koalition: Die beiden populistischen Parteien Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord haben Neuwahlen vermieden und eine Regierung gebildet – im zweiten Anlauf. Noch zu Wochenbeginn hatte Staatspräsident Sergio Mattarella die vorgeschlagene Führungsriege abgelehnt. Ein wichtiger Grund dafür war die Nominierung des eurokritischen Finanz- und Wirtschaftswissenschaftlers Paolo Savona als Finanzminister.

Die schwelende Regierungskrise in Italien, einem Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) aus dem Jahr 1957, verunsicherte in den vergangenen Wochen auch viele Anleger an den Börsen: Internationale Investoren flohen in Scharen aus italienischen Staatspapieren. Schutz suchten sie stattdessen in als sicherer eingeschätzten Zinstiteln. Dazu zählen nach wie vor beispielsweise die deutschen Bundesanleihen.

Gross auf dem falschen Fuß erwischt

In der Folge fielen deutsche Anleiherenditen, während italienische auf den höchsten Stand seit Jahren schossen. Das war das Gegenteil von dem, was Bill Gross erwartet hatte. Er managt für den Vermögensverwalter aus Denver im US-Bundesstaat Colorado unter anderem das Portfolio des Janus Henderson Global Unconstrained Bond (ISIN: IE00BLWF5Q02) mit einem Fondsvolumen von rund 235 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 200 Millionen Euro).

Mit dem Geld der Anleger hatte Gross auf eine sinkende Differenz der Renditen deutscher Staatsanleihen im Vergleich zu italienischen gesetzt, berichtet die US-Zeitung „Wall Street Journal“ (WSJ). Doch am Dienstag stieg der so genannte Spread zehnjähriger Staatsanleihen auf 2,83 Prozentpunkte. Zum Vergleich: Am vorigen Freitag waren es noch 2,05 und zu Jahresbeginn lediglich 1,57 Prozentpunkte. Weder Gross noch ein Sprecher des Unternehmens wollten das laut WSJ kommentieren. 

In der Folge verzeichnete der Fonds ein Minus um mehr als 3 Prozent innerhalb eines Tages. Das ist laut WSJ ein ungewöhnlich hoher Verlust eines Rentenfonds binnen 24 Stunden. In der Betrachtung seit Jahresbeginn liegt der Fonds mit einem Minus um 1,08 Prozent in der unteren Hälfte seiner „Morningstar-Kategorie „Alt - Long/Short Debt“. Die Manager dieser Fonds dürfen auch auf fallende Kurse am internationalen Anleihemarkt setzen. 

Zum Vergleich: Der beste Vertreter dieser Vergleichsgruppe für Rentenfonds mit relativ großem Handlungsspielraum des Managements, der Legg Mason Brandywine Global Credit Opportunities Fund (ISIN: IE00BMMV5X25), liegt im laufenden Jahr mit einem Zuwachs um 10,34 Prozent deutlich im Plus. Der Lombard Odier Absolute Return Bond (ISIN: LU0564203635) machte mit 9,77 Prozent den höchsten Verlust.