Branchenexperte Björn Drescher „Situation gleicht auffallend der Jahrtausendwende“

Björn Drescher: Der Gründer und Geschäftsführer von Drescher & Cie. kommentiert die aktuelle Lage bei Technologiefonds. | © Drescher & Cie.

Björn Drescher: Der Gründer und Geschäftsführer von Drescher & Cie. kommentiert die aktuelle Lage bei Technologiefonds. Foto: Drescher & Cie.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich, soll Mark Twain gesagt haben. Wenn er recht behielte, sollten sich spät berufene Aktienfondsinhaber vielleicht besser schon einmal warm anziehen. Gleicht die augenblickliche Situation in einigen Punkten doch auffallend der zur Jahrtausendwende.

Fonds am laufenden Band 

Ähnlich wie heute spie die Investmentbranche auch damals nach längerer Hausse prozyklisch quasi am laufenden Band neue spezialisierte Technologie-Aktienfonds aus. Untersuchungen einer Datenbank zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 35 neue Technologie-Aktienfonds aufgelegt.

Gerade erst verkündete beispielsweise Union Investment die Auflage ihres Uni Industrie 4.0, der sich unter anderem der Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Robotics verschrieben hat.

Und im Januar flossen den BVI-Mitgliedern 11,3 Milliarden Euro in Publikumsfonds zu, davon allein 6,4 Milliarden Euro in Aktienfonds. Im Februar brachen die Kurse erstmalig seit längerer Zeit ein.

Beginn einer langen Talfahrt

Nein, es muss nicht so kommen wie im Frühjahr 2000, als die ersten Korrekturen nur der Beginn einer langen Talfahrt waren. Beispielsweise waren die Bewertungen der meisten Technologieaktien damals ungleich höher als heute. Überdies dürften der Industrie die technologischen Ideen noch lange nicht ausgehen.

Aber sensibilisiert sollten wir sein und mit realistischen Erwartungshaltungen an Standortbestimmungen im Zyklus und erzielbare Renditen herangehen. Andernfalls droht mancher prozyklische Trittbrettfahrer, die gleichen Irrfahrten zu erleiden wie viele andere vor ihm.