Brasilien-Krise Geheime Lager voller Gold und Diamanten

Ein Schild in Rio de Janeiro weist auf ein Geschäft hin, welches Gold aufkauft. Foto: Getty Images

Ein Schild in Rio de Janeiro weist auf ein Geschäft hin, welches Gold aufkauft. Foto: Getty Images

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Die Tresorräume werden von den staatlichen Pfandhäusern gefüllt, deren Geschäfte im Zuge des Konjunkturabschwungs boomen. Die brasilianische Wirtschaft dürfte dieses und nächstes Jahr schrumpfen, was die längste Rezession seit acht Jahrzehnten wäre. Und die Arbeitslosigkeit liegt bereits auf einem Fünfjahreshoch. Brasiliens Leihhäuser unterscheiden sich in zwei Aspekten von den Pfandleihen in den USA, in denen alle mögliche von Gitarren bis hin zu Lederjacken zu Geld gemacht werden kann. Erstens werden sie ausnahmslos von der Staatsbank Caixa Economica Federal betrieben und zweitens nehmen sie vor allem seltene Edelsteine und Schmuck an. Kürzlich saß auch Hilcia Mauad hinter einer Trennscheibe im Hinterzimmer einer Pfandhausfiliale in Rio de Janeiro und beobachte nervös, wie ein Angestellter einen Diamantring begutachtete, den sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Bis zum April hatte die 78-Jährige seit mehr als 15 Jahren nichts mehr versetzt. Doch die Inflation liegt nahe zehn Prozent, was die verfügbaren Mittel schmälert, zumal ihr Ehemann das Sehvermögen verliert und Arztrechnungen zu bezahlen sind.
„In den letzten vier Monaten war ich zwei Mal hier“, sagt Mauad. „Das ist ein schlechtes Zeichen -- ein Zeichen, dass uns das Land im Stich lässt.“ Ein paar Minuten später verlässt sie das Leihhaus mit 330 Real (etwa 73 Euro), die sie für das jahrzehntealte Familienerbstück mit 24 kleinen Diamanten erhalten hat. Das Geld ist ein Kredit mit einem monatlichen Zins von 1,9 Prozent. Es ist einer der niedrigsten Sätze in Brasilien, wo Kreditkarten etwa 13 Prozent pro Monat berechnen, zeigen Daten des Verbands der Manager im Finanz-, Verwaltungs- und Rechnungswesen. Brasiliens Leitzins liegt auf einem Neunjahreshoch von 14,25 Prozent. Der niedrige Zinssatz und der relativ einfache Vorgang treiben die Nachfrage nach den Diensten von Caixa an, erklärt Paulo Pires, Leiter für Kunden und Geschäfte. Die in der Hauptstadt Brasilia ansässige Bank verfügt seit den 1930er Jahren über ein Monopol bei den Pfandhäusern. Damals hatte Brasilien das letzte Mal zwei Jahre in Folge in einer Rezession gesteckt.
„In diesen schwierigeren Zeiten ist es natürlich, dass man nach dem leichtesten Weg sucht, an Kredite heranzukommen“, sagt Pires, der auch für die Leihhaus-Sparte verantwortlich ist. „Man befindet sich in einer Situation, in der die Wirtschaft nicht komplett stabil ist. Man befindet sich in einer Situation der Ungewissheit.“