Brasilien, Türkei, Ungarn Schwellenmärkte sind nichts für Index-Schmuser

Norbert Hagen, Vorstand der ICM InvestmentBank

Norbert Hagen, Vorstand der ICM InvestmentBank

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Auf den ersten Blick scheint ein Investment in Schwellenländeraktien verfrüht. Denn in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, verlangsamt sich erneut die Kreditnachfrage, was klar einen Rückgang des Wirtschaftswachstums signalisiert. Gleichzeitig wächst sie jedoch stärker als das nominale Bruttoinlandsprodukt. Das Wirtschaftswachstum wird also immer kostspieliger erkauft. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille.

Peking ist dabei, die export- und investitionsgetriebene Wirtschaft in eine binnenkonsumbasierte Ökonomie umzubauen. Und das gelingt mit zunehmenden Erfolg. Während die Industrieproduktion sinkt, legt der Dienstleistungssektor immer weiter zu.

Entscheidend für die Bewertung chinesischer Aktien ist, dass die Märkte eine konjunkturelle Abschwächung bereits in den Kursen eingepreist haben. In Shanghai notieren die Aktien nur noch mit einem durchschnittlichen KGV von 13,2.  Dazu kommt, dass sich die lange zu beobachtende Korrelation zwischen Währungsabwertung und steigenden Kursen zuletzt nicht mehr gezeigt hat. Kurzum:

Die Stimmung in Shanghai ist ausreichend negativ, um positive Überraschungen durchaus auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen. Anleger sollten in China jedoch erhebliche Unterschiede beachten. An der Börse von Shenzhen kommen Aktien auf ein Durchschnitts-KGV von 33! Hinzu kommt, dass trotz der rückläufigen Inflation weiter Kapital aus China abfließt.

Unterschiedlicher Einfluss der Rohstoffpreise

Die Volksrepublik ist seit Jahren der größte Rohstoffimporteur der Welt. Für Länder, die dagegen Öl, Eisenerz, Kupfer und Co. exportieren, haben dieselben Rahmenbedingungen somit völlig andere und zumeist entgegengesetzte Effekte.

Brasilien profitiert zum Beispiel spürbar von den angezogenen Rohstoffpreisen. Das Defizit in der Leistungsbilanz sinkt wieder. Die Regierung unter Interims-Präsident Michel Temer agiert zudem marktfreundlicher und die Geldentwertung ist angesichts einer stabilen Währung auf dem Rückmarsch.