Breite Handelsspannen erzeugen Fondsschnäppchen

Moritz Schildt ist Vorstand beim Hamburger<br>Anleihespezialisten NordIX

Moritz Schildt ist Vorstand beim Hamburger
Anleihespezialisten NordIX

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Eines der deutlichsten Indizien für den aktuell noch immer nervösen Rentenmarkt ist die Breite der Bid-Offer-Spreads. Das sind die Geld-Brief Spannen, mit denen der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen für festverzinsliche Wertpapiere gemessen wird.

In den vergangenen Monaten konnten wir eine deutliche Steigerung dieser Bid-Offer-Spreads feststellen. Dies kann zum Teil auf ein erhöhtes Kreditrisikos zurückzuführen und Ausdruck einer gestiegenen Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen sein. Wesentlich stärker als dieser eher klassische Grund dürfte aber im aktuellen Marktumfeld zu sehen sein, dass die Marktteilnehmer starke Marktbewegungen befürchten und sich daher zurückhalten. Das führt zu abnehmender Liquidität und löst Bewertungsunsicherheiten aus. Wenn zudem in vielen Titeln ein aktives Market-Making ausbleibt, wird klar, warum sich bei Papieren, die vor der Krise nur mit Spreads von wenigen Cent gepreist waren, die Differenz inzwischen auf mehrere Prozent vervielfacht hat.

Besonders betroffen sind derzeit Staatsanleihen aus den PIIGS-Staaten und Bankenanleihen. Bei den Staatsanleihen werden derzeit Geld-Brief Spannen von bis zu 5 Prozent gehandelt. Auch bei vielen Bankenanleihen finden sich breite Spreads, die in Einzelfällen – etwa bei weniger liquiden Nachranganleihen – durchaus bis zu 10 Prozent betragen können. Dies ist Ausdruck der allgemeinen Verunsicherung und wird anhalten, solange nicht klar ist, wie die Banken letztendlich von der Schuldenkrise und den Lösungsvorschlägen betroffen sein werden.

Für professionelle Investoren und Fondsmanager, die ihre Bestände zu handelbaren Marktpreisen bewerten müssen, entsteht das Dilemma, dass jeder Zukauf von Anleihen zunächst einen spürbaren Bewertungsabschlag mit sich bringt.

Preisabschläge gleich beim Kauf

Ein Beispiel: Am 21. Juli 2011 wird eine im Dezember 2015 fällige Nachranganleihe der irischen Tochter der Deutschen Pfandbriefbank (Depfa – WKN: A0GE9D) mit Geldkursen zwischen 61,00 und über 64,00 Euro quotiert. Kaufinteressenten finden dagegen Angebote im Preissegment von 71,00 bis 72,00. Erwirbt ein Fondsmanager diesen Titel, so wird er Papiere vermutlich nicht zu einem Preis unter 71,00 kaufen können. Sobald diese Anleihe aber in das Portfolio eines Investmentfonds aufgenommen wird, muss Sie dort mit einem handelbaren Geld- oder dem Mittelkurs bewertet werden. Diese Bewertungsregel ist gesetzlich in Paragraf 23 der InvRBV (Investment-Rechnungslegungs- und Bewertungsverordnung) vorgeschrieben.

In unserem Beispiel würde die Anleihe also nur mit einem Wert zwischen 61,00 – dem niedrigsten handelbaren Geldkurs – und 68,00 – etwa die Kursmitte der handelbaren Preise an der Börse in Berlin – bewertet werden. Der Fondsmanager muss also mit dem Kauf zunächst einen Bewertungsabschlag von mindestens 5 Prozent hinnehmen. Diese Differenz ist allein Ausdruck der Marktunsicherheit und der konservativen Bewertungsvorschriften. Der innere Wert der Anleihe und die auf Basis des Briefkurses ermittelte Rendite von 8,9 Prozent sind dadurch nicht beeinträchtigt.