Brexit Die Briten sind obenauf – aber nicht mehr lange

Noch füllen sich die Läden: Blick auf die Einkaufsmeile in der Oxford Street in  London. Indikatoren deuten darauf hin, dass die Kauflust demnächst sinkt | © Getty Images

Noch füllen sich die Läden: Blick auf die Einkaufsmeile in der Oxford Street in London. Indikatoren deuten darauf hin, dass die Kauflust demnächst sinkt Foto: Getty Images

In Großbritannien ist seit dem Brexit-Votum die Welt verkehrt. Was viele Auguren befürchtet hatten – den Absturz in die Rezession –, blieb aus. Stattdessen hat sich das Wirtschaftswachstum sogar auf gut 2,0 Prozent im Vorjahresvergleich beschleunigt (1. Quartal 2017). Dabei kam den Briten die weltwirtschaftliche Erholung zu Hilfe. Dies und der scharfe Einbruch des Pfunds (15 Prozent gegen Euro, 18 Prozent gegen US-Dollar) stützten den Export. Insbesondere zeigten sich aber die Konsumenten völlig unbeeindruckt – der private Verbrauch expandierte noch Anfang 2017 um 3,0 Prozent.

 Genau das wird sich aber im weiteren  Jahresverlauf ändern. Die Pfund-Abwertung dürfte die Inflation 2017 auf knapp  3,0 Prozent (im Mittel) treiben, womit sie das Vorjahresniveau um mehr als 2 Prozentpunkte übertrifft. Dieser massive Kaufkraftentzug wird das Konsumwachstum bremsen. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits (Grafik 1). Auch bei den Unternehmen wird sich der Schock zeitverzögert auswirken. Der sich abzeichnende komplette Austritt aus dem EU-Binnenmarkt dämpft die Investitionspläne der Unternehmen (Grafik 2). Deshalb dürfte sich das britische Wirtschaftswachstum von aktuell 2,0 Prozent bis Ende 2018 in Richtung 1,0 Prozent abschwächen. Fazit: Der Brexit ist kein kurzfristiger Schock, sondern eine langfristige Wachstumsbremse.