Brexit-Folgen Goldman-Chef sorgt mit Frankfurt-Tweet für Wirbel

Lloyd Blankfein: Der Goldman-Chef wird nach eigener Aussage künftig viel mehr Zeit in Frankfurt verbringen.  | © Getty Images

Lloyd Blankfein: Der Goldman-Chef wird nach eigener Aussage künftig viel mehr Zeit in Frankfurt verbringen. Foto: Getty Images

Ein Tweet von Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein sorgt in der aufgeheizten Brexit-Debatte für Aufregung: „Habe gerade Frankfurt verlassen. Tolle Meetings, tolles Wetter, habe es wirklich genossen. Gut, weil ich sehr viel mehr Zeit dort verbringen werde“, so Blankfein unter dem Hashtag „Brexit“.

Die britische Regierung, im Rahmen der Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Kommission ohnehin unter Druck, reagierte verschnupft bis trotzig: Man kommentiere nicht jedes einzelne Statement, so eine Sprecherin von Premierministerin Theresa May, und weiter: „Aber eines ist klar: London ist und bleibt das führende Finanzzentrum der Welt.“  

Goldman Sachs selbst will die Äußerung ihres Chefs nicht als Votum gegen London verstanden wissen: Der Tweet bedeute nicht, dass der Unternehmenssitz nach Frankfurt verlagert werde, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, hieß es. In London hat die Investmentbank momentan noch zirka 6.500 Mitarbeiter.

Die britische Hauptstadt hat allen Grund zur Sorge: Nach einem Brexit dürften Finanzdienstleister für ihr Europa-Geschäft aller Voraussicht nach einen Standort innerhalb der Europäischen Union brauchen, wodurch Londons Bedeutung als Finanzmetropole deutlich abnehmen dürfte.

Zudem bereitet Goldman Sachs zur Zeit den Umzug vom Frankfurter Messeturm, wo aktuell rund 200 Angestellte arbeiten, in den Marienturm vor. Der soll Mitte 2019 fertiggestellt sein und für wesentlich mehr Mitarbeiter Platz bieten. Mit 10.000 Quadratmetern in den oberen Stockwerken mietet Goldman Sachs knapp ein Viertel der gesamten Bürofläche.