Bric-Anlayse II: Tomatenwitze und Zwangskäufe

Die Copacabana in Brasilien. Unter den sonst eher für ihren Müßiggang bekannten Brasilianer brodelt es. In der Wirtschaft läuft's nicht rund. Quelle: Fotolia

Die Copacabana in Brasilien. Unter den sonst eher für ihren Müßiggang bekannten Brasilianer brodelt es. In der Wirtschaft läuft's nicht rund. Quelle: Fotolia

// //

In Brasilien läuft’s rund – zumindest im Fußball. Die Nationalelf schlug Spanien deutlich im Endspiel des Confed Cups, der Generalprobe für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr.

Wirtschaftlich steht Brasilien zurzeit weniger auf der Gewinnerseite. Das Volk nutzte die Präsenz der weltweiten Medien beim Fußballspektakel und machte seinen Unmut über Korruption und Milliardenausgaben für die WM auf der Straße Luft.

Die Löhne sind zwar kräftig gestiegen, aber die Preise legen zurzeit ebenfalls deutlich zu. So sind etwa Tomaten, eine eigentlich günstige, wichtige Zutat in der brasilianischen Küche, sehr teuer geworden – so teuer, dass sich viele Haushalte die rote Frucht nicht mehr leisten können und  Tomaten-Witze neuerdings die brasilianische Kultur bereichern.

WM und Olympia: Wo bleibt der Aufschwung?

Von der erwarteten starken wirtschaftlichen Dynamik, die die anstehenden sportlichen Großereignisse, die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016, mit sich bringen sollten, ist wenig zu spüren.

Tatsächlich schrammte Brasilien im vergangenen Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent knapp an einer Rezession vorbei. Im ersten Quartal lag die Wachstumsrate im Jahresvergleich bei 1,9 Prozent – und damit weit unter chinesischen und indischen Verhältnissen. Neben mangelnden Investitionen macht das schwächelnde Exportgeschäft Brasilien zu schaffen.

Das rohstoffreiche Land leidet unter der mauen Weltkonjunktur. „Brasilien ist abhängig vom Rohstoffhunger der übrigen aufstrebenden Volkswirtschaften und litt im Abschwung spürbar unter der nachlassenden Wachstumsdynamik Chinas“, so Andreas A. Busch. Auch für den Rest des Jahres ist der Analyst von Bantleon eher pessimistisch: „Der trendbestimmende Einkaufsmanagerindex der Industrie ist im Mai zum vierten Mal in Folge gesunken, womit der im Sommer 2012 begonnene Aufwärtstrend bereits wieder zu versanden droht.“

Die falsche Medizin: Leitzinserhöhung gegen Inflation

Das niedrige Wachstum und die Inflation bereiten auch Marc Mobius von Franklin Templeton auf kurzer Sicht Sorge. Die Preissteigerungsrate durchbrach im Mai die angestrebte Bandbreite von 2,5 bis 6,5 Prozent. Die Notenbank reagierte prompt, beendete den Zinssenkungszyklus und erhöhte den Leitzins um 0,5 Prozent. Für eine kränkelnde Wirtschaft ist das nicht die beste Medizin.  

Auch wenn Emerging-Markets-Experte Mobius die Politik der Präsidentin Dilma Rousseff in vielen Punkten begrüßt, sieht er auf einigen Gebieten dringenden Verbesserungsbedarf. „Bürokratie muss abgebaut, die Wirtschaft liberalisiert werden. Die Regierung muss das komplexe Steuerrecht reformieren, Konzessionen für Infrastrukturprojekte schneller vergeben und die Qualität der Bildungsinvestitionen steigern“, mahnt Mobius.



Trotz der Schattenseiten weist Brasilien aber weiterhin enormes Potenzial auf. „Das Land verfügt über viele junge Konsumenten und ist reich an Bodenschätzen und landwirtschaftlichen Ressourcen“, so Mobius.

Die niedrigen Rohstoffpreise hält er für keinen langfristigen Trend. Er glaubt vielmehr, dass die Wirtschaftswachstumsraten 2012 ihren Tiefpunkt erreicht haben. „Wir erwarten für die Schwellenmärkte 2013 und darüber hinaus auf längere Sicht ein deutlich kräftigeres Wachstum als für die Industrieländer, was für eine steigende Rohstoffnachfrage sorgt. Industrialisierung und Urbanisierung dürften die Rohstoffnachfrage in Schwellenländern zusätzlich anheizen, was die Preise langfristig in die Höhe treiben könnte.“

Das dürfte auch Brasiliens Rohstoffexporte wieder beflügeln – und vielleicht auch die Aktienkurse. Denn die haben die schlechte Stimmung bereits gründlich zu spüren bekommen.  Im ersten Halbjahr hat das brasilianische Barometer Bovespa mehr als 20 Prozent verloren. Allein im Juni ging es über 10 Prozent nach unten.