Bundestagswahl 2017 „Bei Schwarz-Gelb kommt Bewegung in die Renditen“

Goldzeisig im Prachtkleid: Kommt die schwarz-gelbe Koalition, ist der Aktiensommer vorbei | © Getty Images

Goldzeisig im Prachtkleid: Kommt die schwarz-gelbe Koalition, ist der Aktiensommer vorbei Foto: Getty Images

Der Bundestagswahlkampf 2017 geht in seine heiße Phase, und Kanzlerin Angela Merkel hat aktuellen Umfragen zufolge gute Chancen, im Amt zu bleiben. Die CDU/CSU steht bei knapp 40 Prozent und dürfte aller Voraussicht nach die nächste Regierung anführen.

Ihr gegenwärtiger Koalitionspartner SPD ist nach einem Zwischenhoch mittlerweile wieder auf Werte um 25 Prozent abgerutscht und scheint derzeit kaum in der Lage, zu den Unionsparteien aufzuschließen.

Die Tatsache, dass voraussichtlich erstmals sechs Parteien – CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Grüne und Linke – im Bundestag vertreten sein werden, erhöht die Hürde für eine Zweierkoalition. Sollte zum Beispiel die CDU/CSU ein Bündnis mit der FDP anstreben, reicht das vielleicht nicht für eine absolute Mehrheit. Folglich wäre die Mitarbeit einer dritten Partei notwendig. Die Grünen gelten dafür als erster Kandidat.

Beide favorisierten Mehrheitsbeschaffer, Grüne und FDP, positionieren sich derzeit offen für ein Bündnis mit den Christdemokraten. Doch auch die Fortsetzung der Großen Koalition ist möglich. Je nach Stärke am Wahlabend könnten die Sozialdemokraten sogar erhebliche Zugeständnisse von CDU/CSU fordern.

Prognose: Börse trotzt Bundestagswahl

Was bedeutet all dies für Investoren? Selbstverständlich ist es generell wichtig, wer Europas größte Volkswirtschaft und die viertgrößte der Welt regiert. Dennoch hat die Bundestagswahl 2017 mit Blick auf ihr Risikopotenzial für die Finanzmärkte nicht annähernd die gleiche Bedeutung wie etwa die Parlamentswahl in den Niederlanden vergangenen März oder die Präsidentschaftswahl in Frankreich im April. Verglichen mit diesen „echten Risiken“ versetzt die Bundestagswahl Investoren voraussichtlich nicht in Aufregung.

Dennoch rechnen wir bei BlackRock damit, dass sich neben dem als Kernszenario zu erwartenden Status Quo bei der Bundestagswahl auch Chancen für Investoren ergeben.

Schlüsselposition Finanzminister

So könnte eine selbstbewusste SPD einer Großen Koalition nur unter der Bedingung zustimmen, das Finanzministerium besetzen zu dürfen. Noch heute sehen manche Sozialdemokraten es als schweren Fehler an, dies nicht schon bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 mit mehr Vehemenz gefordert zu haben. Sollte die SPD stark genug und die Aussicht auf eine alternative Koalition für die CDU/CSU unattraktiv sein, ist ein SPD-Finanzminister durchaus denkbar. Die harte Sparhaltung, die CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble gegenüber südeuropäischen Schuldenstaaten an den Tag legt, würde anschließend sicherlich etwas aufgeweicht.

Auch wenn eine gelockerte Finanzpolitik mit einem Sozialdemokraten im Finanzministerium nicht sofort Wirkung zeigt, könnten Finanzinvestoren den Kurswechsel früh einpreisen. Als Konsequenz würden sich vermutlich die Spreads südeuropäischer Emittenten gegenüber Deutschland verringern.

Ein ähnliches Szenario ergibt sich, wenn Angela Merkel erneut Kanzlerin wird. In diesem Fall halten wir bei BlackRock es für möglich, dass sie bei der Südeuropa-Politik einen Wandel einleitet.

Auf jeden Fall ist denkbar, dass auch mit einer erneuten Kanzlerschaft Merkels Investoren der Bundesregierung zuvorkommen und Lockerungen in der Fiskalpolitik entsprechend früh in die Finanzmärkte einpreisen. Dies würde sowohl die Anleihen- als auch die Aktienkurse in Europa in die Höhe treiben.

CDU/CSU-SPD-Koalition bevorzugt

Im Fall einer CDU/CSU-FDP-Regierungskoalition steigen die Spreads zwischen südeuropäischen und deutschen Emittenten voraussichtlich. Hintergrund ist, dass die FDP Hilfen für Südeuropa mit Verweis auf den Maastricht-Vertrag konsequent ablehnt. Auch die unterstützenden Maßnahmen der Europäischen Zentralbank oder Schuldenerleichterungen stehen für die Partei nicht zur Debatte.

Sollte also die nächste Regierungskoalition den harten Sparkurs gegenüber südeuropäischen Staaten aufgeben, hätten Investoren Grund zur Freude. Im Gegenteil würden Investoren eine Regierungsbeteiligung der FDP, insbesondere in einem Zweierbündnis mit der CDU/CSU, voraussichtlich eher schlecht aufnehmen. Das wäre eine Veränderung gegenüber der Vergangenheit, als üblicherweise konservativ-liberale Koalitionen die Anleger auf Steuersenkungen und damit höhere Nettogewinne hoffen ließen und somit für steigende Kurse sorgten.