BVK-Strukturanalyse Lohnt es sich heute noch, Versicherungen zu vermitteln?

Lohnt es sich für junge Schulabsolventen heute noch, als Versicherungsvertreter oder –makler tätig zu werden? Was unter einer „guten“ Bezahlung zu verstehen ist, ist natürlich relativ zu sehen und hängt mit individuellen Wünschen zusammen. Um ihre finanziellen Vorstellungen mit der Realität abzugleichen, können Interessenten jedoch Statistiken zu Rate ziehen. Zum Beispiel diese:

Der Branchenverband Bundesverband deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hat sich heutige Vermittlerbetriebe angesehen und geprüft, wie diese wirtschaftlich aufgestellt sind. In der als „BVK-Strukturanalyse 2016/17“ durchgeführten Untersuchung geht es unter anderem um die erwartbaren Umsätze und Gewinne von Ausschließlichkeits- und Mehrfachvertretern sowie Maklern.

So hohe Umsätze erzielen selbstständige Vermittler

Lesebeispiel: 35,2 % der Makler haben einen Jahresumsatz zwischen 100.000 und 249.999 Euro pro Jahr

Gesamteinnahmen wie Provisionen, Courtagen und sonstige Einnahmen (Umsatz) in Euro. Alle Grafiken: BVK, Versicherungsjournal Verlag

Die schlechte Nachricht vorweg: Die Umsätze heutiger Unternehmen ließen durchblicken, dass im Bereich Versicherungsvermittlung überwiegend unrentable Kleinbetriebe tätig seien, stellen die Autoren der Untersuchung fest. Ein gutes Drittel der Ausschließlichkeits- und der Mehrfachvertreter sowie rund 40 Prozent der Versicherungsmakler erzielten weniger als 100.000 Euro Umsatz. Damit arbeiteten sie nicht wirtschaftlich, urteilen die Studienautoren. Früher seien Kleinstunternehmen von Versicherern und Großvertrieben gefördert worden. Die niedrigen durchschnittlichen Umsatzzahlen von heute seien noch Relikte aus früheren Jahren, heißt es in der Untersuchung.

Allerdings seien heutige Berufseinsteiger kaum mehr gewillt, eine riskante Selbstständigkeit in Kauf zu nehmen, nur um mit einem Einsatz, der alle Maße zu sprengen droht, ein attraktives Einkommen zu erzielen. Solche Einkommen seien der Generation der Millenials heute mehr ein „Hygienefaktor“ als ein unbedingtes und mit beliebigen Mitteln anzustrebendes Ziel, schätzen die Autoren der Untersuchung.   

Mittlerweile gebe es ein regelrechtes Ringen um Nachwuchs im Versicherungsvertrieb. Auszubildende erhielten im Vergleich zu früher sehr viel attraktivere  Konditionen – mitunter würden ihnen sogar Firmenwagen angeboten, um sie an ihr Ausbildungsunternehmen zu binden.

So hohe Gewinne streichen Versicherungsvermittler ein

 Jährliche Gesamteinnahmen abzüglich Kosten (rechnerischer Gewinn) in Euro

Die Einnahmen fielen allerdings für viele mau aus, urteilen die Autoren: Immerhin 31 Prozent der Ausschließlichkeits-, 25 Prozent der Mehrfachvertreter und 37 Prozent der Makler erzielten keine 50.000 Euro Jahresgewinn. Einige schrieben mit ihrer Vermittlertätigkeit sogar noch Verluste.

Die gute Nachricht: Im Durchschnitt seien die Gewinne der selbstständigen Vermittler im Vergleich zur Zeit von vor wenigen Jahren dennoch gestiegen, glauben die Autoren zu erkennen. Vieles spreche dafür, dass mit der rückläufigen Zahl von Vermittlerbetrieben die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der einzelnen Unternehmen solider würden – eine positive Entwicklung, schlussfolgern die Autoren.

Die BVK Strukturanalyse wird in zweijährlichem Rhythmus durchgeführt. Für die Studie hat der Verband rund 4.000 Vermittlerbetriebe befragt. Die erhobenen Daten von den Professoren Matthias Beenken und Michael Radtke von der Fachhochschule Dortmund ausgewertet.