Candriam-EM-Chef Jan Boudewijns „Nachhaltige Strategien werden immer beliebter“

Jan Boudewijns, EM-Aktienchef bei Candriam: „Verantwortungsvolle Investments bringen höhere Renditen.“ | © Candriam

Jan Boudewijns, EM-Aktienchef bei Candriam: „Verantwortungsvolle Investments bringen höhere Renditen.“ Foto: Candriam

Sie wollen nachhaltig in den Schwellenmärkten anlegen. Wo sehen Sie die größten Hürden?

Jan Boudewijns: In Schwellenländern sind sozialverantwortliche Anlagen komplexer als in den Industrieländern. Vor allem mangelt es an Transparenz, und das Berichtswesen ist weniger umfassend. Hinzu kommen Sprachbarrieren und ein Mangel an objektiven Informationen. Zum Teil hat das kulturelle Gründe, aber auch die noch mangelnde Marktreife spielt eine Rolle. In Europa und in den USA regeln immer mehr Branchenstandards und Vorschriften das Berichtswesen und insbesondere die ESG-Berichterstattung. Aber die Emerging Markets sind noch nicht so weit. In den Industrieländern war es vor etwa 20 Jahren übrigens ähnlich – und es wird nicht so lange dauern, bis die Emerging Markets aufschließen.

Und wie gehen Sie bis dahin vor?

Boudewijns: Solange sich die Berichtsstandards in den Emerging Markets nicht ausreichend verbessert haben, reichen die Daten für die klassischen, aus den Industrieländern bekannten SRI-Strategien nicht aus. Deshalb glauben wir, dass die Emerging Markets andere Konzepte erfordern. Wir untersuchen deshalb zunächst, ob ein Unternehmen die wichtigsten internationalen Standards einhält. Der vermutlich beste Analyserahmen dafür ist der UN Global Compact. Danach machen wir uns ein Bild davon, ob das Unternehmen in umstrittenen Bereichen tätig ist. Dazu zählen Pornographie, Alkohol, Waffen, Glücksspiel, Kernkraft, Tabak sowie Geschäfte in Ländern mit massiven Demokratiedefiziten. Als Drittes analysieren wir die Corporate Governance, etwa die Unabhängigkeit des Vorstands, seine Diversität, das Abstimmungsverhalten und die Rechte der Aktionäre.

Ein Ausschlusskriterium?

Boudewijns: Ja, Unternehmen mit schwacher Governance schließen wir aus. Schließlich suchen wir jene Unternehmen, die am besten von den internationalen Nachhaltigkeitstrends profitieren können. Unsere Strategie unterscheidet sich dadurch, dass wir auf mögliche Lösungen der großen Probleme von heute setzen – Klimawandel, Ressourcenabbau, Gesundheit, Demographie, Entwicklungsländer und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Der Investmentprozess ergibt ein konzentriertes, mittel- bis langfristig orientiertes Portfolio aus etwa 100 Titeln, die uns überzeugen. Dieses Portfolio ist aber umfassend nach Ländern, Sektoren, Einzelwerten und Themen diversifiziert.

Warum läuft Ihr SRI-Fonds besser als die konventionelle Variante?

Boudewijns: Die Performance-Unterschiede gegenüber dem Standard-Emerging-Markets-Fonds sind in erster Linie auf die Unterschiede im Anlageuniversum zurückzuführen. Gute Ergebnisse wurden durch unseren Aktienauswahlprozess, eine geringe CO2-Fußabdruck-Intensität und das Engagement in globalen Nachhaltigkeitstrends erzielt. Im Gegensatz zum traditionellen Fonds, ist die Auswahl SRI-EM-Fonds um einiges konzentrierter.

Ihr Ausblick für die kommenden Monate?

Boudewijns: Aufgrund verbesserter Fundamentaldaten, revidiertem Gewinnwachstums und einer nur graduellen Normalisierung der US-Zinsen bleiben wir bezüglich Schwellenländer-Titeln sehr zuversichtlich. Zudem gehen wir weiterhin von einem starken globalen Wachstum aus, zumal viele Investoren in Emerging Markets immer noch weitgehend untergewichtet sind. In unserem Bottom-up-Ansatz konzentrieren wir uns daher weiterhin auf Qualitätsaktien mit einem starken und nachhaltigen Wachstumsprofil in einem ausgewogenen Portfolio.

Ähnlich optimistisch sind Sie für die Nachfrage?

Boudewijns: Da Unternehmen zunehmend gezwungen sind, ihre Umwelt-, Sozial- und Governance-Parameter offenzulegen, gehen wir davon aus, dass das Interesse der Anleger an SRI-Investment-Ansätzen weiter wachsen wird.