Capital Group Trotz hoher Bewertungen keine Blase

Amazon Warenlager Peterborough, England. Die großen Technologieunternehmen haben aus den Fehlern der Großunternehmen in der Dotcom-Ära gelernt | © Getty Images

Amazon Warenlager Peterborough, England. Die großen Technologieunternehmen haben aus den Fehlern der Großunternehmen in der Dotcom-Ära gelernt Foto: Getty Images

Der neue Boom ist anders. So hat der Kurs von Amazon um mehr als 37 Prozent zugelegt, Apple rund 35 Prozent und Microsoft rund 23 Prozent. Noch besser liefen deutsche Technologiewerte. Der Tecdax verzeichnet ein Plus von rund 43 Prozent. Angesichts hoher Bewertungen überrascht es nicht, dass Vergleiche zur Dotcom-Blase gezogen werden. Aber der neue Boom ist anders: Die führenden Unternehmen erwirtschaften stabile Gewinne und enorme Cashflows; die Konkurrenz neuer, auf dank großer Marktanteile und hoher Markteintrittsschranken. Zwar besteht kein Zweifel, dass die Bewertungen zurzeit hoch sind, aber von den Übertreibungen der Dotcom-Ära sind sie meilenweit entfernt. Der wichtigste Unterschied: Anders als bei der Dotcom-Blase laufen Gewinne und Kurse nicht auseinander.

Technologieaktien sind nicht zu teuer

Irfan Furniturewala, Senior Vice President und Investmentanalyst für amerikanische Hardware- und Halbleiterunternehmen, beschreibt die Unterschiede: „Wir leben in einer neuen Zeit. Im Technologieboom der späten 1990-er Jahre, der Anfang 2000 seinen Höhepunkt erreichte, hatten sich die Aktienkurse von Internetfirmen weit von den möglichen Unternehmensgewinnen entfernt. Die Bewertungen stiegen dadurch auf Extremwerte. Heute ist das anders: Die Gewinne von Technologieunternehmen und ihre Aktienkurse sind wesentlich synchroner.“

Kurs-Gewinn-Verhältnis im tolerablen Bereich

Ein großer Unterschied zur Dotcom-Ära ist, dass Technologieaktien insgesamt heute keineswegs übertrieben teuer sind. Kurz vor der Markteinführung des iPhone 8 notierte Apple zum vierzehnfachen der Konsens-Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate. Inzwischen liegt das KGV von Apple bei rund 16, Microsoft liegt bei rund 26 und das Google-Mutterunternehmen Alphabet bei 28.Natürlich liegen diese Bewertungen über denen des Gesamtmarkts. Es gibt aber auch gute Argumente für weitere Gewinnzuwächse, durch die sich die Bewertungen am Ende als gerechtfertigt erweisen.

Technologieunternehmen haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt

Die fünf großen Technologieunternehmen (Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft) haben aus den Fehlern der Großunternehmen in der Dotcom-Ära gelernt. Sie achten wesentlich genauer darauf, dass ihre Technologien – und Geschäftsmodelle – zukunftsfähig sind. Solchen Unternehmen scheint nicht die Luft auszugehen. Wenn überhaupt, setzen sie noch mehr auf neue Technologien wie künstliche Intelligenz und autonomes Fahren, sodass die Markteintrittsschranken für Start-ups, aber auch für etablierte Unternehmen immer höher werden.

Die Großen verdrängen die Kleinen

„Beispielsweise drängt Google mit seiner Suchmaschine Unternehmen wie Yelp und TripAdvisor an den Rand; und Apple, Microsoft, Alphabet sowie Amazon geben jährlich über 10 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung aus. Die Markteintrittsschranken für Newcomer werden dadurch immer höher. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Technologiesektor in den nächsten 20 Jahren massiv ändert und diese Unternehmen an der Spitze des Wandels stehen“, prognostiziert Furniturewala.