Capital Group zu Hochzinsanleihen „High Yield bringt 6 bis 7 Prozent mehr Rendite fürs Portfolio“

Rob Neithart, Capital Group: „Zurzeit bevorzuge ich länger laufende Lokalwährungsanleihen.“  | © Capital Group

Rob Neithart, Capital Group: „Zurzeit bevorzuge ich länger laufende Lokalwährungsanleihen.“ Foto: Capital Group

Wie ist der Global High Income Opportunities aktuell bei Emerging-Market und High-Yield-Anleihen positioniert?

Rob Neithart: Zurzeit bevorzugen wir Emerging-Market-Anleihen leicht gegenüber High Yield. Wir haben aber keine so ausgeprägte Meinung wie früher. Dennoch scheinen uns Emerging-Market-Anleihen günstiger bewertet, vor allem nach ihrer jüngsten Schwäche. Die High-Yield-Spreads haben sich hingegen deutlich verengt, sodass sie im Vergangenheitsvergleich nicht besonders attraktiv scheinen.

Wo sehen Sie im Emerging-Market-Bereich die interessantesten Titel?

Neithart: Aktuell bevorzuge ich Lokalwährungsanleihen, insbesondere länger laufende – wegen ihrer Bewertung und der guten Markttechnik. Bei in US-Dollar nominierten Anleihen bin ich etwas vorsichtiger geworden, denn die Bewertungen haben sich verändert. Die aktuellen Kurse und Spreads bieten keine Sicherheitsmarge. Auf Länderebene schätze ich Asien am meisten und hier insbesondere Lokalwährungstitel, beispielsweise aus Indien. Die Reformen machen große Fortschritte und sorgen für neuen Spielraum für die Fiskalpolitik. Trotz kurzfristiger Zweifel mancher Marktteilnehmer bleibt die Notenbank bei einer straffen Geldpolitik, und die Rupie war trotz weltweit steigender Zinsen sehr stabil.

Aufgestockt haben wir unsere Position in Malaysia. Es ist schon lange her, dass wir letztmals in wirklich großem Umfang in dieses Land investiert waren. Der Ringgit scheint günstig und dürfte deutlich weniger als früher darunter leiden, wenn sich die internationalen Kapitalströme umkehren.

Aber High Yield bietet auch Chancen?

Neithart: So lange keine Rezession droht oder das Weltwirtschaftswachstum erkennbar nachlässt, kann man mit High Yield meiner Ansicht nach noch recht viel verdienen. Die Assetklasse hat sich angesichts der Zinserhöhungen und des deutlichen Renditeanstiegs in den USA gut gehalten – und jetzt scheint es, als würden die Fed und die Märkte die gleichen Erwartungen haben. Ich glaube nicht, dass die Fed die Geldpolitik stärker strafft, als sie signalisiert hat. Hinzu kommt, dass sowohl fundamentale als auch technische Faktoren den Markt weiter stützen. Die Nettoemissionen sind in den letzten Jahren zurückgegangen, aber die Investorennachfrage bleibt hoch. Das sorgt für ein gutes technisches Umfeld.

Wie steht es um die Fundamentaldaten?

Neithart: Zu den Fundamentaldaten ist zu sagen, dass viele Emittenten rohstoffsensitiv sind und daher 2014 und 2015 unter Druck gerieten. Wer das aber überstanden hat, erfreut sich heute stabilerer Finanzen. Außerdem konnten sich die Unternehmen in den vielen Jahren mit recht niedrigen Zinsen günstiger refinanzieren, was auf absehbare Zeit für niedrige Ausfallquoten sorgen dürfte. Im Schnitt haben High-Yield-Anleihen eine Restlaufzeit von etwa sechs Jahren. Es wird noch viele Jahre dauern, bis die Finanzierungskosten von US-Unternehmen steigen. Hinzu kommt, dass man anderswo kaum derartige Renditen bekommt, insbesondere bei einer recht geringen Duration. Wer dem Markt heute ein Jahr lang fernbliebe, würde auf etwa 6 bis 7 Prozent Rendite verzichten. Selbst wenn sich die Spreads etwas ausweiten, erwarten wir dieses Jahr Mehrertrag von High-Yield-Anleihen, da der Zinsvorsprung Verluste durch Spread-Ausweitung mehr als ausgleicht.

Was müsste passieren, damit sich der US-Dollarkurs nachhaltig verändert?

Neithart: In den letzten Jahren war der US-Dollar meist längere Zeit stabil oder längere Zeit schwach. Viele Faktoren könnten eine erneute Trendwende auslösen. Bei steigenden US-Zinsen könnte der Zinsvorsprung der USA gegenüber anderen Industrieländern so stark zunehmen, dass sehr viel Kapital dorthin fließt. Das Land benötigt schon jetzt sehr viel Kapital, da sein Finanzierungsbedarf deutlich gestiegen ist. Vielleicht ist aber auch einfach nur die Bewertung der Auslöser, wenn die Investoren glauben, dass der US-Dollar genug abgewertet hat. Schließlich ist auch ein weltweiter Schock denkbar, der zu einer US-Dollar-Aufwertung führt, beispielsweise Nervosität wegen China, eine Krise in Europa oder irgendeine Art von Finanzschock.

Die US-Zehnjahresrenditen stiegen zuletzt auf 3 Prozent. Was könnte dies für High-Yield- und Emerging-Market-Anleihen bedeuten?

Neithart: Meist reagieren High-Yield-Anleihen nicht so stark auf die US-Renditen wie Investmentgrade-Titel – wegen ihrer höheren Anfangsrenditen und der geringeren Duration. Hinzu kommt, dass sich die High-Yield-Spreads oft dann verengen, wenn die Staatsanleihenrenditen steigen, was typisch für einen Konjunkturaufschwung ist. Weil die Ausfallquoten im Aufschwung meist niedriger sind, rechtfertigt das geringere Spreads – so wie die Spreads bei nachlassender Konjunktur meist steigen.

Die Emerging Markets können steigenden US-Zinsen aus meiner Sicht so lange etwas entgegensetzen, wie das Umfeld stimmt – mit synchronem Weltwirtschaftswachstum, von dem auch die Schwellenländer profitieren, und stabilen Rohstoffpreisen. In den meisten Ländern hält sich die Inflation in Grenzen, sodass viele Notenbanken die Geldpolitik lockern können. Dies dürfte Anleihen und das Wirtschaftswachstum stützen. Wo es Probleme gibt, etwa in Argentinien und der Türkei, sind sie meist hausgemacht und nicht repräsentativ für die Emerging Markets insgesamt.

Weitere Informationen zum Capital Group Global High Income Opportunities Fund (LUX) finden Sie hier.