Capital Group zur US-Steuerreform Fünf Dinge, die Investoren wissen sollten

Kundinnen im Öko-Supermarkt Wholefoods:  Der Einzelhandel in den USA dürfte stark von der Steuerreform profitieren | © Getty Images

Kundinnen im Öko-Supermarkt Wholefoods: Der Einzelhandel in den USA dürfte stark von der Steuerreform profitieren Foto: Getty Images

US-Wirtschaft auf Wachstumskurs

Das Steuergesetz dürfte das US-Wirtschaftswachstum in den Jahren 2018 und 2019 beflügeln, vor allem durch höhere Konsum- und Unternehmensausgaben, analysiert Jared Franz, US-Volkswirt von Capital Group. „Im Median verdienen amerikanische Familien jährlich 59.000 US-Dollar. Viele Familien werden daher etwa 1.000 US-Dollar Steuern sparen. Nach fast zehn Jahren des Schuldenabbaus dürften die US-Verbraucher den Großteil davon ausgeben, statt ihn zu sparen“, so der Experte. Franz erwartet, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt um etwa 0,25 Prozent steigt. Damit würde die US-amerikanische Wirtschaft nächstes Jahr um 2,5 bis 3 Prozent wachsen – insbesondere dann, wenn die Weltkonjunktur wie 2017 weiter zulegt.

Rückenwind für Finanzmärkte

Auch an den Finanzmärkten dürfte die Steuerreform positive Folgen haben. Elizabeth Mooney, internationale Bilanzanalystin von Capital Group sieht vor allem für US-Unternehmen Vorteile: „Die Senkung des Unternehmenssteuersatzes von 35 Prozent auf 21 Prozent macht US-Unternehmen zu den größten Gewinnern der Steuerreform. Dies gilt vor allem für binnenorientierte Firmen, deren Gewinne durch die niedrigeren Steuern sofort steigen dürften.“ Außerdem dürften die Unternehmen von der günstigeren steuerlichen Behandlung von Investitionen und repatriierten Auslandsgewinnen profitieren.

Geldrückführungen in die USA

Nach Schätzungen haben US-amerikanische Unternehmen mit Auslandsaktivitäten etwa 3,2 Billionen US-Dollar noch nicht ausgeschüttete Auslandsgewinne aufgebaut. Dane Mott, internationale Bilanzanalystin von Capital Group, geht davon aus, dass diese teilweise in die USA rückgeführt werden: „Es wird nicht der gesamte Betrag zurückfließen. Für manche Unternehmen ist eine Repatriierung vielleicht nicht sinnvoll, je nachdem wie hoch ihre ausländischen Barmittel sind. Wir haben die steuerlichen Auswirkungen auf Hunderte von Unternehmen untersucht. Unserer Ansicht nach dürften höchstens etwa 1,5 Billionen US-Dollar repatriiert werden“, erklärt sie.

Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen zu erwarten

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Unternehmen die repatriierten Barmittel künftig einsetzen wollen. Dane Mott zufolge lohnt sich dazu ein Blick in die Vergangenheit: „Bei einem ähnlichen Repatriierungsvorstoß im Jahr 2004 nutzten viele Unternehmen das Geld für Aktienrückkäufe und Dividenden. Jetzt ist Ähnliches zu erwarten. Möglich sind aber auch Übernahmen, Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung, Schuldenabbau und Expansion.“

Telekommunikation, Medien und Einzelhandel profitieren am stärksten

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die meisten Unternehmen durch die Steuerreform in Zukunft bessergestellt werden – allerdings profitieren sie unterschiedlich stark: Letztlich werden die größten Gewinner Unternehmen sein, die aus den niedrigeren Steuern höhere Gewinne machen. Zu den größten Profiteuren dürften Telekommunikations-, Medien- und Einzelhandelsunternehmen zählen. Da sie meist binnenorientiert sind, können sie die demnächst günstigere steuerliche Behandlung von Investitionen vollständig nutzen. Außerdem dürfte es ihnen weniger schaden, dass die Abzugsfähigkeit von Zinsen eingeschränkt wird“, sagt Bilanzanalystin Elizabeth Mooney.

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