Carmignac-Analyse Welche Chancen bekommen Anleger 2018?

Didier Saint-Georges, Carmignac: Auf das Risikomanagement kommt es 2018 an.  | © Pablo Monge Fernandez

Didier Saint-Georges, Carmignac: Auf das Risikomanagement kommt es 2018 an. Foto: Pablo Monge Fernandez

In den letzten zehn Jahren trug die wirtschaftliche Analyse nur wenig zur Vorhersage der Marktentwicklung bei, da die Interventionen der Zentralbanken die Marktpreise stark verzerrten und dafür sorgten, dass sich die Märkte deutlich von der wirtschaftlichen Realität abkoppelten. Aufgrund der Verringerung der Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken dürften die Konjunkturprognosen 2018 normalerweise aussagekräftiger für die Märkte werden. Allerdings hat sich die Welt inzwischen verändert, und die wirtschaftliche Analyse könnte erneut in die Irre führen.

Technischer Fortschritt deflationär

Das Wachstum der digitalen Wirtschaft schafft zweifellos Mehrwert. Dieser lässt sich aber mit den Instrumenten, die den Volkswirtschaftlern zur Verfügung stehen, immer noch kaum beziffern. Sie können Fabriken und Ausrüstung quantifizieren, wissen aber nicht, wie sie mit Datenbanken oder Cloud-Computing umgehen sollen. Das bedeutet, dass die Investitionen und die BIP-Zahlen mit Sicherheit zu niedrig angesetzt sind. Hinzu kommt, dass das Rätsel der „Erholung des Wachstums ohne Inflation“, das Volkswirtschaftler und die Anleihenmärkte irritiert, besser gelöst werden könnte, wenn die Volkswirtschaftler sich eingehend mit der deflationären Wirkung neuartiger Technologien beschäftigen würden.

Worauf sollen wir nun unsere Sicht der Finanzmärkte im Jahr 2018  aufbauen, wenn die Äußerungen der Volkswirtschaftler immer noch mit Vorsicht zu genießen sind? Zuallererst steht ungeachtet der exakten Zahlen außer Frage, dass die Wirtschaft sich allmählich von den Schäden erholt, die die große Finanzkrise verursacht hat. Die US-Wirtschaft hat bereits unter Beweis gestellt, dass sie auch mit weniger geldpolitischer Unterstützung weiter zulegen kann. Zudem deutet die Dynamik, die zurzeit in Europa, den Schwellenländern oder Japan zu beobachten ist, darauf hin, dass diese Wirtschaftsräume nächstes Jahr auch unter etwas weniger akkommodierenden Finanzbedingungen zurechtkommen werden.

US-Konjunktur erlahmt

Darüber hinaus erscheint es plausibel, dass der US-Konjunkturzyklus ungeachtet der geplanten Steuerreform bald Ermüdungserscheinungen zeigen wird, während andere Regionen, deren Erholung später einsetzte, eine stärkere Dynamik aufweisen. Daher besteht das zentrale Szenario, zu dem wir tendieren, in einer leichten, von der US-Wirtschaft ausgehenden globalen Konjunkturverlangsamung. Ein solches Umfeld rechtfertigt eine anhaltende Übergewichtung in europäischen und Schwellenländeraktien und eine Übergewichtung in hochwertigen Wachstumstiteln mit hoher Prognosesicherheit statt in Substanz- oder zyklischen Titeln.

Die Anleihenmärkte waren von den durch die Zentralbanken verursachten Preisverzerrungen mit Sicherheit am stärksten betroffen. Dies gilt sowohl für Unternehmens- als auch Staatsanleihen und vor allem für Europa. Daher würden wir unser Risikoprofil auf den Anleihenmärkten auf jeden Fall recht niedrig halten. Ausgenommen davon wären nur bestimmte Subsektoren wie z.B. nachrangige europäische Bankenanleihen, strukturierte Kreditprodukte oder Schwellenländer-Staatsanleihen (z.B. mexikanische Papiere in Lokalwährung).

Was die Märkte im Jahr 2018 betrifft, kommt die größte Unsicherheit nicht von der Wirtschaft, sondern von ihrer technischen Instabilität.
In der Erwartung, dass die Volatilität wie in den letzten Jahren stark eingeschränkt bleiben wird, haben sowohl passive als auch Risikoparitätsfonds ein massives Investmentvermögen angesammelt. Vielleicht liegen sie damit richtig. Aber es gibt mehrere Unbekannte, die zum Anstieg der Volatilität führen könnten: die Angst vor erneuten Forderungen nach mehr Protektionismus, Störungen des Rohölmarkts, geopolitische Spannungen, geldpolitische Fehlentscheidungen und vor allem ein schwächerer Konjunkturzyklus, steigende Inflation oder einfach nur Gewinnmitnahmen.

Angesichts perfekt bewerteter Märkte und Momentum-Anlagestrategien, die ihren Höchststand erreicht haben, muss man die asymmetrischen Risiken berücksichtigen, die auf diesen Niveaus sowohl auf den Anleihen- als auch den Aktienmärkten bestehen. Dies könnte durchaus zu einem umfassenden Comeback des Risikomanagements als eines der wichtigsten Performance-Instrumente 2018 führen.