Carmignac-Experte im Interview „Eine toxische und gefährliche Kombination“

Jean Médecin ist führendes Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac

Jean Médecin ist führendes Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac

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DAS INVESTMENT: An vielen Ecken und Enden kriselt es derzeit – in China, in Schwellenländern insgesamt. Dazu kommen geopolitische Krisen in Osteuropa und im Nahen Osten. Wohin treibt die Weltwirtschaft im Moment?

Jean Médecin:
2015 war global gesehen ein eher träges Jahr. Der Trend zeigte fast nirgends nach oben. Wir sehen keine Beschleunigung des ökonomischen Momentums in den USA. Der Diffusionsindex, der misst, wie breit gefächert die Joblandschaft ist, ist zurzeit negativ.

Was heißt das?

Jean Médecin: Die US-Wirtschaft erschafft zwar viele Arbeitsplätze, aber in immer weniger Sektoren. Das ist gewöhnlich ein Anzeichen dafür, dass der ökonomische Zyklus sich eher am Ende als am Anfang befindet.  

Wo sehen Sie momentan die Eurozone?

Jean Médecin: Die Eurozone ist tatsächlich die Region, in der es 2015 ein klein wenig besser lief. Trotz Ölpreiskollaps, schwachem Euro, Niedrigzinsen und trotz wenig Finanzdisziplin in den Staatshaushalten dürfte Europa 2015 einen leichten wirtschaftlichen Anstieg geschafft haben.

Ihr Ausblick für 2016?

Jean Médecin: Im laufenden Jahr verändern sich die Rahmenbedingungen: Der Euro wird nicht signifikant weiter fallen, auch der Ölpreis wird nicht viel weiter hinuntergehen. Die Eurozinsen stagnieren eher. Da die Eurozone vom Export abhängig ist und daher stark gekoppelt an den Rest der Welt: Es sieht nicht nach einer Erholung in Europa aus. Auch global gesehen bewegt sich die Wirtschaft eher im Schritttempo.

Wo steht China 2016?


Jean Médecin: China bleibt zwar Antreiber des globalen ökonomischen Momentums, aber es wird zunehmend ein Motor sein, der auf den Heimatmarkt orientiert ist und weniger international.

In China gibt es derzeit eine Wirtschaftsentwicklung in zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Die chinesische Wirtschaft wandelt sich von produktorientiert hin zu dienstleistungsorientiert. Der Anteil der Dienstleistungen gegenüber der Industrieproduktion steigt rasant an. Der Service-Sektor - und zwar sowohl der Einzelhandel als auch die digitale Entwicklung – wachsen sehr schnell.
Das klingt erst einmal positiv ...

Die chinesische Binnenwirtschaft wird das gut abfedern können, für die globale Entwicklung wird das allerdings eine harte Landung werden. China ist ein sehr starker Konkurrent am Markt. Das Land produziert mittlerweile auch immer hochwertigere Qualität. Zusammen mit dem Überschuss, den die dortige Wirtschaft produziert, ist das eine harte Nuss für den Rest der Welt. Besonders Deutschland als Exportnation wird die Auswirkungen stark zu spüren bekommen.