Carmignac-Stratege Saint George „Der nächste Abschwung entscheidet“

Zweifelt an der Krisenreaktionskraft von Geld- und Haushaltspolitikern: Didier Saint George, Carmignac  | © Carmignac

Zweifelt an der Krisenreaktionskraft von Geld- und Haushaltspolitikern: Didier Saint George, Carmignac Foto: Carmignac

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Die überraschende Regierungsübernahme durch eine Koalition aus 5-Sterne-Bewegung und Lega in Italien hat die Finanzmärkte im Mai in Ausnahmezustand versetzt. Nachdem bekannt wurde, dass die Koalition auch Pläne für einen Ausstieg aus dem Euro in der Schublade hat, entstand eine politische Kettenreaktion, wie sie nur in Italien möglich ist. Diese löste einen Rückgang des Euro, der europäischen Aktienmärkte und vor allem der Anleihemärkte der europäischen Peripherieländer aus.

Das erneute Schreckgespenst eines Euro-Ausstiegs eines EU-Mitgliedstaats
spukte abermals in den Köpfen herum. Besteht für Italien 2018 ein glaubhaftes Risiko des Ausstiegs aus der Eurozone? Es ist technisch durchaus möglich, dass ein souveränes Land zu seiner Landeswährung
zurückkehrt. Dafür müssen aber mindestens zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss es dies wollen. Aktuell ergeben aber sämtliche Meinungsumfragen, dass die Mehrheit der Italiener in der Eurozone bleiben möchte.

Eine demokratisch gewählte Regierung hindert zwar nichts daran, Entscheidungen gegen den Volkswillen zu treffen. Aber dieses Szenario wäre gelinde gesagt paradox bei einer Regierung, die sich ausdrücklich auf das „Volk“ beruft. Zweitens muss dieser Schritt überraschend erfolgen. Wenn eine Regierung dieses Vorhaben im Voraus ankündigen würde, gäbe es sofort eine Kapitalflucht und sie wäre ruiniert, bevor sie überhaupt mit der Umsetzung beginnen kann.

Diese beiden Zwänge zusammen bedeuten, dass eine italienische Regierung auf „Italexit“-Kurs ausdrücklich und bewusst im Widerspruch zu dem von ihren Wählern erteilten Mandat handeln müsste. Das ist wenig wahrscheinlich.

Heißt das, dass Italien bald wieder umschwenkt? Und werden die Finanzmärkte bald wieder an ihren Aufwärtstrend anknüpfen, der auch der Tatsache zu verdanken ist, dass im Sommer 2012 unter der aufmerksamen Leitung von Mario Draghi die Konvergenz der Kosten für den Schuldendienst der Länder der Eurozone eingeleitet wurde?

Dies ist aus zwei Gründen äußerst fraglich: Zum einen kann die gerade erst bestätigte Regierung von Giuseppe Conte zwar keinen Euro-Ausstiegsplan ankündigen, sie ist aber gewillt, mit der bisherigen Wirtschaftspolitik zu brechen: Die selbstverständliche Haushaltsdisziplin wird in Frage gestellt. Die Finanzmärkte werden eine bewusste weitere Ausweitung der Haushaltsdefizite wohl kaum positiv aufnehmen.

Dieses Risiko dürfte sich zunächst aber nicht allzu sehr auswirken, vor allem weil Italien noch einen kleinen Spielraum hat, bevor das Land in Gefahr gerät (es weist zurzeit ein geringeres Haushaltsdefizit als Frankreich auf und kann auf einen Leistungsbilanzüberschuss verweisen).

Ebenso ist vorstellbar, dass die Fixierung Salvinis auf die Migrationsfrage Brüssel oder dem deutschfranzösischen Tandem einen Ansatzpunkt gibt, um im Austausch gegen ein Entgegenkommen in dieser Frage ein Wirtschaftsprogramm zu erhalten, das für die Märkte akzeptabel ist.