Carolyn Bell, Kames Capital „Politik verunsichert Investoren“

Carolyn Bell, Investment Manager im Equities Team von Kames Capital: „Vor allem neue Technologien bringen die Aktienmärkte voran.“ | © Kames Capital

Carolyn Bell, Investment Manager im Equities Team von Kames Capital: „Vor allem neue Technologien bringen die Aktienmärkte voran.“ Foto: Kames Capital

Nachdem der US-Aktienindex S&P 500 am 22. August den historisch längsten Bullenmarkt der Geschichte verzeichnete, stellt sich die Frage, ob das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Der letzte Bärenmarkt liegt schließlich bereits 3.460 Tage zurück – in der Regel spricht man von einem Bärenmarkt, sobald die Kurse mindestens 20 Prozent unter den vorherigen Höchstwert liegen.

Damit übertrifft die aktuelle Hausse den bisher längsten Bullenmarkt der 1990er Jahre, hinkt ihm indes jedoch prozentual gesehen immer noch hinterher. Der S&P 500 hat seit seinem Tiefpunkt im März 2009 über 300 Prozent zugelegt. Wer den pessimistischen Marktstimmen trotzte und Aktien kaufte hat Gewinne erzielt.

Wie sind wir beim längsten Bullenmarkt angekommen? Zur Antwort genügen zwei Worte: quantitative Lockerung. Die Notenbanken haben zur Stützung der Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren Geld in die Märkte rund um den Globus gepumpt. Dadurch ist es ihnen gelungen, die Finanzen der privaten Haushalte zu stabilisieren.

Zinspolitik belastet Staatsbilanzen

Die Kapitalspritzen der Notenbanken belasteten natürlich die Staatsbilanzen: In den USA hat sich das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) inzwischen mehr als verdoppelt. Vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 lag es noch auf einem verhältnismäßig gesunden Niveau von 40 Prozent.

Die Geldschöpfung erfolgte mit dem Versprechen, das Wachstum zu stimulieren. Nun wird die quantitative Lockerung zurückgefahren, was amerikanische Aktienanleger allgemein begrüßen. Zinssteigerungen gelten als Zeichen dafür, dass die US-Konjunktur und möglicherweise auch die Weltwirtschaft nun nicht mehr auf die Hilfe der Notenbanken angewiesen sind. Äußerst kurios ist dabei die Tatsache, dass der S&P 500 im vergangenen Jahr jeden Monat im Plus schloss – das hat es bisher noch nie gegeben. Grund dafür ist unter anderem die deregulierende Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump.

Bullenmärkte enden, wenn in Anlegerkreisen eine übertriebene Zuversicht einsetzt, die Ungleichgewichte und übertriebene Bewertungen nach sich zieht. Noch sind wir nicht an diesem Punkt angelangt. Die Unternehmensinvestitionen bewegen sich zwar immer noch auf moderatem Niveau, steigen jedoch deutlich. Auch die Risikoprämien für Aktien fallen mit 5 Prozent weiterhin üppig aus. Der S&P 500 wird mit einem KGV von 16,6 gehandelt, bei einer Free Cashflow-Rendite von 5,2 Prozent und einer Dividendenrendite von 2 Prozent. Der US-Markt mag zwar gemessen an anderen Börsen teuer erscheinen, ist aber im Vergleich zu seinen eigenen historischen Bewertungen keinesfalls überbewertet.

Rekordbei Barbeständen in den USA

Die Fundamentaldaten fallen weiterhin erfreulich aus. US-Unternehmen (Finanzwerte ausgenommen) sitzen auf rekordhohen Barbeständen, die sich Ende des Jahres 2017 auf insgesamt fast 1.400 Milliarden US-Dollar beliefen. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 waren es nur rund 600 Milliarden US-Dollar.

Vor allem das Wachstum des Technologiesektors hat die Cash-Generierung des gesamten US-Marktes begünstigt. Diese riesigen Barmittel lassen auf weitere Fusionen schließen, was den Markt weiter beflügeln dürfte. Die späten Phasen eines Bullenmarktes können sich manchmal als äußerst lukrativ erweisen.

Das größte Marktrisiko liegt unserer Meinung nach in den politischen Entwicklungen. Mit Blick auf die derzeitigen Handelsspannungen, den aufkeimenden Populismus in Europa und die jüngsten Probleme in der Türkei wächst die Unsicherheit in Anlegerkreisen. Sollte Trump an seinem aggressiven Politikkurs festhalten, schießt er sich damit ins eigene Knie. Fakt ist: Sowohl die Firmen als auch die Börse wollen politische Stabilität.