Carsten Riehemann von der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung „Gold hat vorerst ausgedient“

Carsten Riehemann, Geschäftsführer von der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

Carsten Riehemann, Geschäftsführer von der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

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Öl der Sorte WTI hat 2014 46 Prozent an Wert verloren. Die Sorte Brent gab sogar um fast 50 Prozent nach. Der Grund für den Preisverfall ist ein deutliches Überangebot. Durch das Fracking haben die USA ihre Förderung massiv ausgebaut. Im Gegensatz zu früheren Jahren reagierten die OPEC-Staaten auf den Preisrückgang jedoch nicht mit entsprechenden Kürzungen der Fördermengen. Die Welt schwimmt in Öl.

Anscheinend setzt Saudi-Arabien auf einen zwischenzeitlich niedrigeren Preis, um vor allem in den USA seine Marktposition zu verteidigen. Dort rechnet sich die aufwendige und teure Fracking-Förderung nur bei Preisen von mindestens 70 US-Dollar pro Fass. Ende 2014 lag der Preis jedoch bei 53 US-Dollar. Erste amerikanische Ölproduzenten sind bereits in Schieflage geraten. Die Saudis können dagegen auch mit einem niedrigeren Ölpreis eine längere Zeit lang leben.

Denkbar ist auch, dass die Vereinigten Staaten gemeinsam mit dem verbündeten Saudi-Arabien den Ölpreis abrutschen lassen, um Russland unter Druck zu setzen. Das ist auf jeden Fall die Interpretation Moskaus. Tatsache ist, dass in Russland sowohl die Wirtschaft als auch die Finanzierung des Staatshaushalts unter dem Preisrutsch schmerzhaft leiden. Mit dem Ölpreis kollabierte auch der Rubel. Die Folge sind importierte Inflation und Rezession. An den Finanzmärkten machte schon die Sorge vor einem Zahlungsausfall Russlands die Runde. Den sehen wir vorerst nicht, aber die Verwerfungen sind enorm. Auch kleine Produzenten wie Venezuela und der Iran ächzen unter den gesunkenen Rohölnotierungen.



Kostenloses Konjunkturprogramm

Den westlichen Industrienationen kommt der stark verbilligte Ölpreis dagegen sehr gelegen. Er sorgt für eine weiter sinkende Geldentwertung. Zumindest in Euroland ist derzeit nicht Inflation, sondern eine mögliche Deflation das Problem. Das billige Öl stimuliert aber kräftig das Wirtschaftswachstum. Selbst Frankreich wird aufgrund der gesunkenen Energiepreise 2015 voraussichtlich sein Bruttoinlandsprodukt erhöhen. Aus westlicher Sicht ist die Unterstützung für die Konjunktur sicherlich höher einzuschätzen als die unerwünschte desinflationäre Wirkung.

Der Ölpreis wird so lange weiter unter Druck stehen, bis eine steigende Nachfrage und ein fallendes Angebot außerhalb der OPEC dafür sorgen, das Überangebot am Markt abzuarbeiten. Nach einer Bodenbildung böte sich für Anleger dann wieder die Chance zum Einstieg.

Gold hat ausgedient – vorerst


Das Trauerspiel beim Gold hat auch 2014 kein Ende gefunden. Im Gegenteil: Anfang November ist der Preis des Edelmetalls auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Die Ursachen sind vielfältig. Vor allem in den Vereinigten Staaten halten zahlreiche Anleger Aktien für aussichtsreicher als das zinslose Gold. Das in den USA gestiegene Zinsniveau macht die Situation für das Edelmetall nicht besser. Der starke US-Dollar wirkt ebenfalls belastend, da der Greenback und der Goldpreis negativ miteinander korrelieren. Steigt der US-Dollar fällt tendenziell der Goldpreis und umgekehrt. Auch der Verfall des Ölpreises hat Gold mit nach unten gezogen.