Cash, Kredite, Investitionen: Gefährliches Dreierlei der Immobilienfonds

Foto: Fotolia

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Aktuell findet eine Diskussion statt zwischen dem Finanzministerium unter Schäuble einerseits und dem Bundesverband BVI der Investmentfondsbranche andererseits. Dabei sind zwei Dinge strittig:

  1. Soll eine Kündigungsfrist für offene Immobilienfonds eingeführt werden? Und wenn ja, wie lange soll sie sein?
  2. Soll eine Mindestanlagedauer für offene Immobilienfonds eingeführt werden? Und wenn ja, wie lange soll sie sein?

Das Finanzministerium fordert eine Kündigungsfrist von 6 Monaten und eine Mindestanlagedauer von 2 Jahren. Beides ist dem BVI zu lange. Immerhin könnte man dann Anteile an offenen Immobilienfonds nicht mehr börsentäglich zurückgeben. Siehe auch den Handelsblatt-Artikel: “Wenn der Fonds zur Falle für den Anleger wird”.

Ich selbst stehe auf der Seite des Schäuble-Ministeriums. Denn offene Immobilienfonds haben derzeit eine sehr seltsame Zwitterposition, indem sie einerseits in ein extrem illiquides Segment investieren, eben Immobilien, auf der anderen Seite aber für den Anleger ein extrem liquides Anlagevehikel darstellen sollen. Das ist etwa so, als würde man ein Flugzeug konstruieren wollen, das ganz fest auf dem Boden steht und gleichzeitig 1.000 Meter hoch fliegen kann.

Durch die Einführung von Kündigungsfristen und Mindestanlagedauern wird dem Anleger die Illusion genommen, dass es sich bei offenen Immobilienfonds um eine liquide Anlageform handelt. Wie gesagt: sie ist es ja derzeit irgendwie, irgendwie aber auch nicht. Eben ein hoch fliegendes Flugzeug, das gleichzeitig am Boden fest verankert ist.

Um das einmal etwas klarer zu machen, habe ich mir den hausInvest europa der Commerzbank Gruppe herausgegriffen (WKN 980701).

Immerhin hat der hausInvest europa (980701) den Scope Investment Award 2009 für den besten Offenen Immobilienfonds mit dem Zielmarkt Europa gewonnen.

Sieht man sich das Factsheet vom März 2010  dieses offenen Immobilienfonds an, dann wird ein Fondsvermögen in Höhe von 10.895,3 Millionen Euro angegeben. Darunter stehen noch zwei weitere Zahlen:

  • Grundvermögen (d.h. Grundstücke und im Bau befindliche Objekte, sowie Immobilien): 10.215,6 Millionen Euro
  • Bruttoliquidität (Bankguthaben und ähnliches): 3.078,8 Millionen Euro

Das heißt: zum 31. März 2010 waren 28,25 Prozent des Vermögens NICHT in Immobilien angelegt, sondern lag – wenn man so will – einfach auf Bankkonten herum.

Die große Frage an dieser Stelle ist, ob sich ein typischer Anleger des hausInvest europa dessen bewusst ist, dass etwas weniger als ein Drittel seines Geldes eben nicht in Immobilien investiert ist, sondern reines Geldvermögen ist.

Meiner Erfahrung nach kann ich sagen, dass nur die wenigsten Privatanleger, die in einen offenen Immobilienfonds investiert haben und mit denen ich gesprochen habe, sich dessen bewusst sind. Fast alle denken: “Naja, das ist ein Fonds, der in Immobilien investiert, also wird wohl fast 100 Prozent meiner Anlagesumme in Immobilien angelegt sein.”

Wie wir eben gesehen haben, ist das nicht der Fall.

Hohe Liquidität schmälert die Renditeerwartung

Warum ist es wichtig, dies zu wissen? – Weil durch einen hohen Liquiditätsanteil natürlich die zu erwartende Rendite geschmälert wird.

Nur einmal als hypothetische Rechnung: Nehmen wir einmal an, wir hätten einen offenen Immobilienfonds, in dem 28 Prozent des Fondsvermögens auf Bankkonten liegen und der Rest in Imobilien angelegt ist. Ich nehme weiter – nur einmal hypothetisch – an, dass die Immobilien eine Netto-Rendite von 5 Prozent pro Jahr abwerfen. Bei Tagesgeld- und Bankkonten kann man heutzutage mit etwa 1 Prozent Rendite rechnen.