China im Blick der europäischen Anleger Renminbi kaufen?

Dr. Martin W. Hüfner, Chief Economist bei Assenagon Asset Management S.A.

Dr. Martin W. Hüfner, Chief Economist bei Assenagon Asset Management S.A.

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Dass die chinesische Wirtschaft in der Welt im Vormarsch ist, wissen alle. Gemessen am Sozialprodukt ist sie inzwischen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Der Kapitalmarkt ist noch relativ klein, beginnt sich aber zu mausern. An den Börsen des Landes schießen die Kurse nach oben. Es werden auch immer mehr Anleihen in Renminbi aufgelegt. Sie sind vom Zins her attraktiv.

Das macht China zunehmend auch für Finanzinvestoren interessant. Für sie kommt es freilich nicht nur auf die lokale Rendite an. Genauso wichtig ist die Entwicklung der Währung. Wie steht es hier? Wird sich der Renminbi aufwerten oder muss man mit Kursverlusten rechnen?

In der Vergangenheit war der Renminbi eine sichere Wette. Er war bombenstark – so stark, dass die chinesische Notenbank gezwungen war, massiv auf den Devisenmärkten zu intervenieren und die Aufwertung zu bremsen. Schauen Sie sich die Grafik an.

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Seit dem Jahr 2000 hat sich der Renminbi gegenüber dem US-Dollar um 25 % befestigt. Die Entwicklung vollzog sich vor allem in den Jahren 2005 bis 2013 (mit einer kurzen Unterbrechung während der Finanzkrise).

In den letzten zwei Jahren hat sich die Situation geändert. Mit der Öffnung der chinesischen Kapitalmärkte hat der Kapitalexport zugenommen. Chinesische Investoren wollten von den attraktiven internationalen Anlagemöglichkeiten profitieren. Die chinesische Zentralbank hielt dagegen. Sie verkaufte Dollar, um die Währung zu stützen. Der Wechselkurs schwankte etwas mehr und bewegte sich insgesamt seitwärts.

Wird es in Zukunft wieder zu einer Aufwertung kommen, von der der Investor profitieren könnte? Hier stehen sich zwei Theorien gegenüber. Fundamental spricht alles dagegen. Politisch sieht es dagegen eher nach einem stärkeren Renminbi aus. Wer wird gewinnen?

Fundamental: Chinas Wirtschaftswachstum ist zwar hoch (7 Prozent), es schwächt sich jedoch deutlich ab. Die Inflation geht zurück, aber nicht weil die Währung so gut ist, sondern weil es an Nachfrage fehlt. An den Immobilienmärkten platzen Blasen. Die Notenbank ist besorgt. Mehrfach hat sie die Mindestreserven der Banken und damit die Geldmarktzinsen gesenkt. China hat zwar einen Leistungsbilanzüberschuss. Er hat sich in den letzten Jahren jedoch deutlich verringert. Betrug er zu Zeiten der Finanzkrise noch 9 Prozent bis 10 Prozent des BIP, macht er heute nur noch 3 Prozent aus. Die Währungsreserven sind zwar immer noch die höchsten der Welt (US-Dollar 3.700 Milliarden). Sie sind in den letzten zwei Jahren aber um über 100 Milliarden Dollar zurückgegangen. All das spricht gegen den Renminbi.