Chinas Konsumlust: „Das Prestige europäischer Marken ist nicht zu kopieren“

Fondsmanagerin Scilla Huang Sun

Fondsmanagerin Scilla Huang Sun

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DAS INVESTMENT.com: Was ist die Investmentidee des Aktienfonds Julius Bär Luxury Brand?

Scilla Huang Sun: Wir wollen am wachsenden Wohlstand der Schwellenländer teilhaben, indem wir in europäische Unternehmen investieren, die stark in den Emerging Markets positioniert sind. Den Konsumtrend der Emerging Markets spielen wir indirekt, sozusagen über Bande.

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Quelle: Swiss & Global

DAS INVESTMENT.com: Was spricht dafür, dass Schwellenländerunternehmen nicht nach dem Massenmarkt auch den Markt für Luxusprodukte erobern? Oder anders: Was macht Europas Luxusindustrie so gut?

Huang Sun:
Was die Technik und die Qualität der Produkte angeht, haben einige Unternehmen aus den Emerging Markets tatsächlich gezeigt, dass sie schnell nachziehen können. Ein Beispiel unter vielen ist der jüngst der Öffentlichkeit präsentierte chinesische Schnellzug CRH380AL.

Trotz der Aufholqualität der Schwellenländer hat deren Industrie im Luxussegment aber bisher die Stellung der westlichen Marken nicht erreicht. Und ich bin mir sicher, dass das so bleiben wird. Der Kauf von Luxusgütern ist emotional getrieben. Es geht ums Prestige und das Prestige europäischer Marken ist etwas, was sie nicht einfach kopieren können. Made in Germany und Made in Italy stehen für einzigartige Qualität und jahrzehntelange Tradition. Ein Beispiel sind Schweizer Uhren. Technisch dürfte es für chinesische Unternehmen kein größeres Problem sein, die Uhrenmechanik der Schweizer nachzubauen. Was sie aber nicht kopieren können, ist das Prestige einer etablierten Marke.

DAS INVESTMENT.com: Aber warum spielen Sie den Konsumtrend nur über das Luxussegment?

Huang Sun: Entscheidend ist, dass gut geführte Unternehmen und Marken aus dem Luxussegment über Preissetzungsmacht verfügen. Da Konsumenten von Luxusartikeln in der Regel wohlhabender sind und ihr Kaufverhalten eher vomPrestige einer Marke getrieben ist als vom objektiven Nutzen eines Produkts, können die Hersteller größere Gewinnmargen durchsetzen. Gleichzeitig finden wir in der Luxusbranche viele Unternehmen, die eine sehr gesunde Bilanz haben und hohen Cashflow generieren.

DAS INVESTMENT.com: Und welche Risiken gibt es?

Huang Sun: Anleger sollten sich im Klaren sein, dass die Luxusgüterbranche eine eher zyklische Branche ist, mit unterschiedlicher Ausprägung in den verschiedenen Kategorien.: Zu den ausgeprägteren Zyklikern gehören Hersteller von Uhren, Schmuck und Premium-Autos. Zu den eher defensiveren Titeln gehören die Anbieter von Kosmetika und Alkohol.

Im Vergleich zu Massenkonsumgütern ist der Markt für Luxusgüter aber im Allgemeinen weniger zyklisch, was bedingt ist durch die Käuferschaft. Die Kauflust vermögender Verbraucher hängt nicht so sehr von der konjunkturellen Lage ab, sondern vielmehr von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und ihrem direkten Umfeld ab.