„Chinas Reformen könnten zu Neubewertungen führen“

Chris Adams, Foto: HSBC Global Asset Management

Chris Adams, Foto: HSBC Global Asset Management

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DAS INVESTMENT.com: Herr Adams, Indien ist im Umbruch. Schlagzeilen über das umstrittene Prestigeprojekt „Marsmission“ wechseln mit Nachrichten zu gesellschaftlichen Missständen. Zudem stehen im nächsten Frühjahr Wahlen an. Sind Aktieninvestoren verunsichert?

Chris Adams: Ausländische Großanleger ließen sich bislang noch nicht abschrecken. Bei Aktien waren sie im Oktober weiter auf der Käuferseite, wo sie für Wertpapiere netto etwa 2 Milliarden Dollar ausgaben. Unterm Strich hat der indische Aktienmarkt im Oktober wieder derart deutliche Kursgewinne verzeichnet, dass nun langsam Vorsicht angesagt ist. Anleger sollten daher mittelfristig vorsichtig agieren.

Kurzfristig dürften die bevorstehenden Wahlen im Frühjahr die Richtung am Markt vorgeben. Viele Beobachter erwarten einen Sieg der oppositionellen Partei BJP, was am Markt positiv ankommen dürfte.

DAS INVESTMENT.com: Welchen Einfluss hat hier der Reformwille der indischen Regierung?

Adams: Reformen haben eine Schlüsselfunktion. Auf lange Sicht gesehen sind sie der entscheidende Faktor für Asien als Anlageregion insgesamt. Damit meine ich Indien, ebenso wie China, Hongkong, Südkorea und Thailand. Für Indien ist ausschlaggebend, inwiefern es der Regierung gelingt, ihren Reformkurs fortzusetzen. Beispielsweise könnten die schnellere Umsetzung von Projekten im Energiesektor und weitere Privatisierungen die Kurse nach oben treiben.

DAS INVESTMENT.com: Zuletzt hatte sich der Aktienmarkt in Indien stark entwickelt. Welche waren die Gründe dafür und wie schätzen Sie die Perspektiven ein?

Adams: Der starke Kursanstieg der indischen Börse hängt unter anderem mit einer positiven Entwicklung beim Leistungsbilanzdefizit zusammen. Hier deuten die jüngsten Handelsdaten auf eine Verbesserung hin. Hinzu kommt, dass die indischen Notenbanker den Leitzins zwar wie erwartet angehoben, die Liquidität im Finanzsystem über andere Maßnahmen aber ebenfalls erhöht haben.

Der Zinssenkungszyklus dürfte für etwa sechs Monate aufgeschoben sein, obwohl das nachlassende Leistungsbilanzdefizit und die sinkende Inflation im zweiten Halbjahr 2014 noch Spielraum für Zinssenkungen eröffnen. Zusammen mit den Reformmaßnahmen der Regierung sollte dies dazu beitragen, die Realwirtschaft in zwei bis drei Jahren wieder auf ihren Wachstumspfad zu bringen.

Auf der kommende Seite geht es um Strukturreformen der  Wachstumslokomotive China.