Christoph Bruns und Ufuk Boydak Loys-Experten: „Positiver Grundton an den Weltbörsen“

Ufuk Boydak (li.) und Christoph Bruns, Fondsmanager bei Loys

Ufuk Boydak (li.) und Christoph Bruns, Fondsmanager bei Loys

Während der in Deutschland vielbeachtete ifo-Geschäftsklimaindex auf einen Höchststand seit der Wiedervereinigung stieg, hob der Internationale Währungsfonds (IWF) die konjunkturelle Wachstumsprognose für den Euro-Raum an. Dazu tragen nicht zuletzt Frankreich und Italien bei, wo sich zuletzt die Wirtschaftsdynamik etwas stärker entfaltet. Das Reformmusterland der Europäischen Union (EU), Spanien, sprintet in puncto Wirtschaftswachstum vorweg und straft damit all jene Lügen, die von Reformen nichts halten. Magerere Zahlen kommen derzeit von der britischen Insel, wo der Brexit nunmehr seit über einem Jahr das bestimmende Thema ist.

Auch auf der Unternehmensseite erbrachte der Juli viele gute Berichte, denn das zweite Quartal nahm für etliche Gesellschaften einen guten Lauf. Die amerikanischen Börsenlieblinge Amazon, Facebook, Netflix, Microsoft und Apple konnten nach der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen Kursgewinne verzeichnen. Aber auch McDonalds, Visa oder Caterpillar wussten zu überzeugen. Getrübt wurde das Bild durch den rückläufigen Autoabsatz in den USA, der nicht zuletzt im Zahlenwerk von General Motors (GM) eine Spur hinterließ. Schwierig sieht es auch bei IBM und Ericsson aus, wo die Restrukturierungen noch nicht die erhofften Früchte brachten.

Diesen Makro- und Mikroentwicklungen zum Trotz war die Hauptentwicklung des Juli unzweifelhaft der scharfe Rückgang der US-Landeswährung Dollar gegenüber den meisten anderen Währungen. Seit Jahresbeginn liegt der Greenback über zehn Prozent gegenüber seinem Hauptrivalen Euro im Minus. Genau besehen steht der Dollar heute ziemlich genau dort, wo er bei der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung auch gestanden hatte, nämlich bei 1,1747 am 1. Januar 1999. Daran ist abzulesen, dass Währungen kein geeignetes Anlageobjekt sind, weil sie als Austauschverhältnisse keinen eingebauten Vermögenszuwachsmechanismus aufweisen. Während Unternehmen sich in der Regel erfolgreich bemühen, durch neue Produkte, Verfahren und Strategien wertvoller zu werden, besitzen Währungen gar keinen bestimmbaren inneren Wert.

Der markante Anstieg des Eurokurses gegenüber US-Dollar, Yen, Pfund und Schweizer Franken ist im Wesentlichen auf die stabilisierte politische und ökonomische Lage in Europa zurückzuführen. Im Fall des US-Dollars mag hinzukommen, dass die Finanzmärkte ihre Illusionen über die Präsidentschaft von Donald Trump allmählich verlieren. Den Aktienmärkten konnte diese Entwicklung bislang kaum schaden, denn die Zinsalternativen sind nach wie vor viel zu unattraktiv. Ablesbar ist die Gelassenheit an den Aktienmärkten am amerikanischen Volatilitätsindex, der im Juli den tiefsten Wert seit zehn Jahren erreichte. Und auf der Zinsseite meldete sich Griechenland als Emittent am Kapitalmarkt zurück und platzierte problemlos eine fünfjährige Staatsanleihe zu einer Rendite unterhalb von fünf Prozent.

Mit einer Eintrübung des konstruktiven Börsenklimas rechnen wir in der näheren Zukunft nicht.